Cannabis Normal Konferenz 2025
2025-11-30
Was dieses Wochenende in Berlin für Deine Cannabis-Therapie bedeutet
Stell Dir ein Wochenende vor, an dem in einem alten Backsteingebäude in Berlin sehr konkret darüber gesprochen wird, wie Du in Zukunft an Dein Cannabis-Rezept kommst.
Genau das ist auf der Cannabis Normal Konferenz 2025 passiert. Der Deutsche Hanfverband (DHV) hat vom 21. bis 23. November 2025 die Alte Münze in Berlin Mitte in ein politisches Rechenzentrum für Cannabisthemen verwandelt.
Im Raum saßen Patienten, Ärztinnen und Ärzte, Aktivisten, Juristen, Leute aus Cannabis Social Clubs, Apotheken und Unternehmen. Im Hintergrund lief eine Bundesregierung, die das Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG) gerade deutlich verschärfen will.
Die Frage, die über allem stand:
Wie bleibt Deine Versorgung stabil, während Politik an allen Ecken an Cannabis-Regeln dreht
Was die Cannabis Normal Konferenz eigentlich ist
Die CaNoKo ist die Fachkonferenz des DHV. Sie findet alle paar Jahre statt und 2025 war die fünfte Ausgabe.
Sie funktioniert in drei Rollen:
- Bühne für Menschen, die Cannabis nicht aus Talkshows kennen, sondern aus dem Alltag
- Werkstatt für Ideen, wie man Gesetze nachjustiert, wenn die Realität sie schon längst eingeholt hat
- Radar für politische Signale, auf die Patientengruppen reagieren müssen
Die CaNoKo ähnelt weniger einer Messe mit Ständen und Giveaways und eher einem sehr großen Runden Tisch. Drei Tage lang wird gesammelt, sortiert, gestritten und am Ende in klare Forderungen übersetzt.
Seit dem Frühjahr 2024 regeln zwei zentrale Gesetze den Umgang mit Cannabis in Deutschland.
- Das Cannabisgesetz (CanG) legt fest, wie Besitz, Eigenanbau und Anbauvereinigungen für Erwachsene funktionieren.
- Das Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG) definiert den Rahmen für Cannabis als Arzneimittel in der Apotheke.
Auf dem Papier klingt das nach einem klaren System. In der Praxis hat sich in den letzten Monaten gezeigt, wie fragil diese Ordnung ist. Die neue Bundesregierung arbeitet an einer Verschärfung des MedCanG, die vor allem drei Punkte betrifft.
- Erstverordnung von Blüten nur nach persönlichem Arztkontakt
- engere Taktung für Folgeverordnungen
- ein Verbot des klassischen Versands von Cannabisblüten
Der Bundesrat hat diese Linie am 21.11.2025 bestätigt und sogar zusätzliche Forderungen formuliert, etwa eine klare Anwendung der Arzneimittelpreisverordnung auf Blüten und strengere Werbebeschränkungen.
Der Deutsche Hanfverband reagiert darauf mit politischem Gegendruck, unter anderem mit seinen Top-10-Forderungen zur Weiterentwicklung der Cannabispolitik und mit Kampagnen gegen ein pauschales „Anti-Telemedizin-Narrativ“.
Parallel dazu ordnet MedCanOneStop genau diese Entwicklungen für Patienten ein.
- Im Oktober habt ihr im Blog den Kabinettsentwurf auseinander genommen und erklärt, welche Stellschrauben die Regierung beim MedCanG drehen will.
- Mitte November folgte der Artikel „MedCanG im Bundesrat: Was am 21.11. auf dem Spiel steht“ mit Fokus auf Versorgungslage, Preisentwicklung und die Ergebnisse eurer Umfrage mit 9.583 Patientinnen und Patienten.
- Am Tag der Entscheidung kam der Recap „Zustimmung zu Verschärfungen“, der sehr klar herausarbeitet, wie stark sich das politische Narrativ von der Versorgungsrealität unterscheidet.
Aus diesen Analysen ist auch Die MCOS-Aktionsseite entstanden. Dort können Betroffene eine vorstrukturierte E-Mail an Bundestagsabgeordnete senden, die Bundesratsbeschlüsse, Gesetzesentwurf und Umfrageergebnisse zusammenführt. So wird aus politischer Lagebeschreibung ein Werkzeug, mit dem Patienten ihre Stimme in das Verfahren einbringen.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Cannabis Normal Konferenz 2025 wie ein weiterer Knotenpunkt in einem Netz, das längst gespannt ist. Im Bundesrat laufen formale Entscheidungen, in Blogs und Aktionen wie bei MCOS werden sie für Dich übersetzt, und auf der CaNoKo treffen sich genau die Menschen, die beide Ebenen miteinander verbinden.
Was in den Sessions verhandelt wurde
Cannabis Social Clubs, Modellprojekte und Fachgeschäfte
Ein Strang der Konferenz drehte sich darum, wie der Freizeitbereich organisiert wird.
Themen waren zum Beispiel:
- Erfahrungen aus dem ersten Jahr Cannabis Social Clubs
- Behördenkontakte, Auflagen, baurechtliche Stolpersteine
- Auswirkungen von Abstandsregeln zu Schulen und Kitas
Recht, Führerschein und Polizei
In Panels mit Juristen, Richtern und Vertretern von LEAP ging es um die juristische Nachbearbeitung des KCanG:
- THC-Grenzwerte, die bei Dauerpatienten kaum zur Realität passen
- Speicheltests, die Urinproben ablösen sollen
- die Frage, wie Gerichte Stecklinge, Mengen und Abstände auslegen
Für Patienten ist das vor allem relevant, wenn Therapie, Autofahren und Alltag ineinandergreifen. Ein Blutwert kann schnell zum Problem werden, selbst wenn der Kopf klar ist.
„Alles Apotheke“ und der Blick auf Telemedizin
Ein Slot hatte besonders viel Nähe zu Deiner Situation: die Session „Alles Apotheke? Echte Patienten vs. Anti-Aging für alle“.
Dort ging es darum:
- Wie Telemedizin in den vergangenen Jahren Versorgungslücken geschlossen hat
- Welche Angebote zu sehr Richtung Lifestyle und „Anti-Aging-Rezept“ abdriften
- Welche Qualitätskriterien Telemedizinplattformen erfüllen sollten, damit sie politisch tragfähig bleiben
Im Raum stand die Sorge, dass das MedCanG Telemedizin und Versand so stark eindampft, dass echte Patienten auf der Strecke bleiben. Gleichzeitig wurde klar benannt, dass nicht jedes Modell am Markt medizinischen Anspruch und Compliance wirklich ernst nimmt.
Zum Abschluss der CaNoKo hat der DHV ein Paket veröffentlicht: zehn Forderungen zur Weiterentwicklung der Cannabispolitik und zur Änderung des KCanG.
Diese Punkte begleiten die politische Arbeit des Verbands bis zur nächsten Bundestagswahl. Die Kurzfassung:
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Kommunale Modellprojekte für Fachgeschäfte ermöglichen
Städte sollen Cannabis-Fachgeschäfte im Rahmen von Projekten erproben dürfen, wissenschaftlich begleitet. So entstehen echte Daten zur Wirkung regulierter Shops, statt reiner Theorie.
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Mengenobergrenze zuhause anpassen
Die heutige Grenze für Besitz in der Wohnung passt schlecht zu Eigenanbau und CSC-Mitgliedschaften. Eine höhere Obergrenze würde rechtliche Risiken reduzieren, ohne etwas am Jugendschutz zu ändern.
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Verschenken von Cannabis an Erwachsene erlauben
Wenn jemand aus legalem Anbau oder Clubüberschüssen etwas abgibt, soll das nicht automatisch im Strafrecht landen. Entscheidend ist, ob Handel oder Gefahr entsteht, nicht ob eine Person einen Freund mitversorgt.
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Baurechtliche Hürden für Anbauvereinigungen senken
CSCs kämpfen oft nicht mit dem Strafrecht, sondern mit Bauordnungen und Zonierung. Der DHV fordert Regeln, mit denen Clubs eine reale Chance auf geeignete Standorte haben.
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Abstandsregeln rund um Konsum und Clubs streichen
Starre Abstandsregeln blockieren in dicht bebauten Städten praktisch jede Option für legale Strukturen. Für den Jugendschutz bringen sie nur begrenzt Mehrwert.
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Stecklinge klar definieren
Im Gesetz tauchen Stecklinge als Sonderfall auf, in Verfahren werden sie aber häufig wie ausgewachsene Pflanzen gewertet. Der DHV möchte eine Definition, die Praxis und Gesetzestext in Einklang bringt.
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Telemedizin und Versandapotheken erhalten
Der Verband stellt klar: Ein pauschales Verbot von Telemedizin-Verordnungen und Cannabis-Versand würde Versorgungslücken aufreißen, Praxen überlasten und Patienten wieder in den Schwarzmarkt drängen. Genau hier setzt auch die DHV-Mailaktion gegen das „Anti-Telemedizin-Gesetz“ an.
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Schwelle der „nicht geringen Menge“ reformieren
Die bisherige Grenze für besonders schwere Fälle liegt so niedrig, dass schon moderate Überschreitungen enorme Strafrahmen auslösen. Der DHV fordert eine deutlich höhere Schwelle oder eine komplett neue Regelung.
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Verkehrsrecht an den Stand der Forschung anpassen
Statt allein THC-Blutwerte zu betrachten, sollen Speicheltests und verbesserte Methoden genutzt werden, um tatsächliche Fahrtüchtigkeit zu prüfen. Ziel ist mehr Sicherheit ohne pauschale Bestrafung von Dauerkonsumenten und Patienten.
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EU-Recht weiterentwickeln
Die Bundesregierung soll sich auf europäischer Ebene dafür einsetzen, dass regulierte Fachgeschäfte rechtssicher möglich werden. Dadurch bekäme Deutschland Spielraum für ein konsistentes System aus medizinischem und nicht medizinischem Bereich.
Die Liste wirkt auf den ersten Blick technisch. In Summe steckt dahinter aber ein Versuch, Cannabis-Regeln auf Realität zu kalibrieren, statt auf Symbolpolitik.
Wie das Ganze Deine Therapie berührt
Nicht jede dieser Forderungen dreht sich direkt um Medizin. Trotzdem formt das Paket den Rahmen, in dem Deine Cannabis-Therapie stattfindet.
Telemedizin, Versand und reale Erreichbarkeit
Für viele Patienten sind Telemedizin und Versand nicht Komfort, sondern Voraussetzung.
Gründe:
- Zu wenig Ärzte mit Erfahrung und Bereitschaft, Cannabis zu verordnen
- weite Wege auf dem Land
- chronische Erkrankungen, die längere Fahrten problematisch machen
Der Kabinettsentwurf zum MedCanG nimmt genau diese Säulen ins Visier. Der DHV, Fachverbände und Patientenorganisationen warnen davor, dass Verschärfungen die Versorgung verschlechtern und Praxen überlasten würden.
Wenn Telemedizin erlaubt bleibt, aber klarere Qualitätsregeln bekommt, entsteht die Chance auf ein System, in dem medizinische Plattformen, Apotheken vor Ort und spezialisierte Praxen zusammenarbeiten, statt gegeneinander zu laufen.
Rechtliche Ruhe im Alltag
Mengenfragen, „nicht geringe Menge“, Stecklingsdefinition oder Führerscheinrecht wirken wie Randthemen, bis sie Dich betreffen.
Ein paar Beispiele:
- Du lagerst für mehrere Wochen Therapie auf Vorrat und gerätst zufällig in eine Kontrolle.
- Dein THC-Wert liegt knapp über einem Grenzwert, obwohl Du am Steuer konzentriert und fit bist.
- Du willst Dir den Aufwand sparen, ständig neue kleine Mengen zu bestellen oder abzuholen.
Wenn hier realistische Regeln gelten, verschiebt sich der Fokus wieder dahin, wo er hingehört: auf Missbrauch, Gefährdung und echten Schaden, nicht auf formale Details bei legaler Therapie.
DHV, CaNoKo und die Rolle von MedCanOneStop
Der Deutsche Hanfverband agiert in diesem Setting als Lobby für Konsumenten und Patienten. Die CaNoKo liefert Input, der DHV formt daraus Forderungen und bringt sie in Richtung Bundestag, Länder und Medien.
Transparenz:
MedCanOneStop unterstützt den DHV als Diamant-Sponsor. Dadurch trägt MCOS dazu bei, dass es diesen Raum für Debatten überhaupt gibt, in dem auch die Perspektive von Patienten mit Medizinalcannabis gehört wird.
Für das Panel zu Apotheken und Telemedizin war Cedric Lehmann, Gründer von MCOS, eingeplant. Dort sollte die Sicht einer Plattform einfließen, die komplett auf medizinische Nutzung ausgerichtet ist. Kurz vor der Konferenz wurde Cedric allerdings Vater und blieb bei seiner Familie, während in der Alten Münze diskutiert wurde.
Inhaltlich bleibt MCOS Teil genau dieser Auseinandersetzungen, mit:
- Daten aus der Versorgung
- Umfragen zur Lage von Patienten
- Einblicken in Apothekenprozesse und digitale Workflows
Der Anspruch lautet, digitale Versorgung so aufzubauen, dass sie politischen Sturm aushält und für Patienten verlässlich bleibt.
Was Du Dir aus der Cannabis Normal Konferenz 2025 mitnehmen kannst
Wenn Du Cannabis als Medizin nutzt, sendet die CaNoKo 2025 mehrere klare Botschaften:
- Deine Versorgung und Deine Lebensrealität tauchen inzwischen nicht nur in Social-Media-Kommentaren auf, sondern in Pressemitteilungen, Forderungspapieren und offiziellen Programmen.
- Telemedizin und Versand werden politisch diskutiert, aber es existiert eine laute, gut organisierte Gegenstimme, die ein vollständiges Zurückdrehen des Systems verhindern will.
- Die nächsten Schritte in der Cannabispolitik werden nicht nur an Schlagwörtern hängen, sondern an sehr konkreten Fragen: Wie hoch darf die Menge zuhause sein Wie definieren wir Stecklinge Welche Rolle spielen Kommunen Was zählt im Straßenverkehr als wirklich gefährlich
Die Cannabis Normal Konferenz 2025 bündelt diese Fragen und hält sie der Politik hin.
Je mehr Patienten informiert bleiben und ihre Erfahrungen einbringen, desto schwerer fällt es, über ihre Realität hinweg zu entscheiden.