Mehr THC bedeutet nicht automatisch eine bessere Wirkung: 5 Dinge, die Patient:innen über medizinische Cannabisblüten wissen sollten
5 Dinge, die Patient:innen über medizinische Cannabisblüten wissen sollten
Wer sich erstmals mit medizinischen Cannabisblüten beschäftigt, stößt schnell auf Begriffe wie Indica, Sativa, Hybrid, THC-Gehalt oder bestimmte Sortennamen. Sie sollen Orientierung schaffen, können aber auch ein falsches Bild davon vermitteln, wie gut sich die Wirkung einer Blüte tatsächlich vorhersagen lässt. Denn Cannabis wirkt individuell, und auch Produkte mit ähnlicher Bezeichnung können sich in ihrer Zusammensetzung unterscheiden.
Dr. medic Vlad Gavril, niedergelassener Arzt und Mitglied des Beratungsgremiums von MedCanOneStop, erklärt fünf zentrale Punkte für eine erfolgreiche Therapie.
1. Indica und Sativa sind keine verlässlichen Wirkungsversprechen
„Indica macht müde, Sativa macht aktiv“ gehört wahrscheinlich zu den bekanntesten Faustregeln rund um Cannabis. Medizinisch lässt sich die Wirkung einer Blüte anhand dieser Einteilung allerdings nur sehr begrenzt vorhersagen. Die Begriffe beziehen sich ursprünglich vor allem auf botanische Eigenschaften der Pflanze.
Auch als Patient:in sollte man sich deshalb nicht ausschließlich daran orientieren, ob ein Produkt als Indica, Sativa oder Hybrid bezeichnet wird. Als umgangssprachliche Einordnung können die Begriffe zwar hilfreich sein, eine bestimmte Wirkung garantieren sie aber nicht.
2. THC und CBD geben mehr Orientierung als der Sortenname
Aussagekräftiger ist nach Einschätzung von Gavril zunächst das Verhältnis der beiden Cannabinoide THC und CBD. Je nachdem, wie eine Blüte zusammengesetzt ist, kann sie beispielsweise THC-betont, CBD-betont oder relativ ausgewogen sein.
Auch Terpene, natürliche Duft- und Aromastoffe, werden zunehmend als möglicher Einflussfaktor diskutiert. Hier ist allerdings Vorsicht geboten: Dass ein bestimmtes Terpen bei allen Patient:innen genau eine bestimmte Wirkung auslöst, lässt sich bisher nicht pauschal sagen.
Der Sortenname allein hilft dagegen deutlich weniger. Eine bekannte Bezeichnung wie „Kush“ oder „Haze“ sagt nicht automatisch, wie ein konkretes Präparat zusammengesetzt ist oder wie es individuell wirkt.
3. Mehr THC bedeutet nicht automatisch eine bessere Wirkung
Ein besonders hoher THC-Gehalt kann auf den ersten Blick attraktiv wirken, aber für die medizinische Anwendung gilt nicht automatisch: je höher, desto besser.
Eine höhere Wirkstärke kann auch das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen erhöhen. Welche Konzentration sinnvoll ist, hängt unter anderem von der individuellen Verträglichkeit, bisherigen Erfahrungen und der jeweiligen Therapie ab. Gerade zu Beginn gilt deshalb das Prinzip „start low, go slow“: niedrig beginnen und sich unter ärztlicher Begleitung langsam an eine passende Dosierung herantasten.
4. Derselbe Sortenname bedeutet nicht automatisch dasselbe Produkt
Auch zwei Blüten mit demselben Sortennamen können sich unterscheiden. Anbaubedingungen wie Licht und Klima, aber auch Erntezeitpunkt und Verarbeitung können Einfluss auf die tatsächliche Zusammensetzung nehmen.
Hinzu kommt, dass sich einzelne Chargen voneinander unterscheiden können. Deshalb ist es sinnvoller, die genauen Werte eines Präparats beziehungsweise der jeweiligen Charge zu betrachten, als sich ausschließlich auf einen bekannten Sortennamen zu verlassen.
5. Die passende Blüte zu finden ist ein Prozess
Wie eine Cannabisblüte wirkt und vertragen wird, lässt sich nicht für jede Person im Voraus exakt bestimmen. Was bei einer Patientin oder einem Patienten gut funktioniert, muss deshalb nicht automatisch bei einer anderen Person dieselbe Wirkung haben.
Gerade während der Einstellungsphase sind Rückmeldungen an die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt deshalb von großer Bedeutung. Wenn ein Präparat beispielsweise zu müde macht, nicht die gewünschte Wirkung erzielt oder unangenehme Nebenwirkungen verursacht, kann die Therapie entsprechend zeitnah angepasst werden. Das bedeutet nicht automatisch, dass bei der Auswahl etwas „falsch“ gemacht wurde – vielmehr gehört das schrittweise Herantasten bei medizinischem Cannabis häufig zur individuellen Einstellung.
Wo Erfahrungen anderer Patient:innen helfen können
Gerade weil die individuelle Reaktion so unterschiedlich ausfallen kann, können Erfahrungsberichte anderer Patient:innen zusätzlich Orientierung geben. Entscheidend ist dabei die Einordnung: Sie spiegeln persönliche Erfahrungen wider und können dabei helfen, Fragen für das nächste ärztliche Gespräch zu entwickeln, sollten jedoch nicht als allgemeingültige Aussage verstanden werden, welches Präparat für eine bestimmte Person geeignet ist.
MedCanOneStop hat seine Community-Funktionen deshalb vor Kurzem erweitert: Nutzer:innen können Präparate und Apotheken detailliert bewerten, anderen Patient:innen folgen und sich über neue Bewertungen sowie Preis- und Verfügbarkeitsänderungen informieren lassen. Alle Community-Funktionen sind freiwillig, die medizinische Therapie bleibt unabhängig davon Sache der behandelnden Ärzt:innen.
„Jeder Mensch reagiert anders auf Cannabis, deshalb ist das Feedback unserer Patient:innen so wichtig. Oft braucht es etwas Geduld und mehrere Versuche, bis die passende Sorte gefunden ist. Und weil nicht immer alles verfügbar ist, sind Alternativen notwendig“, fasst Vlad Gavril zusammen.
Über MedCanOneStop
MedCanOneStop (MCOS) ist eine digitale Infrastruktur- und Informationsplattform für die Versorgung mit medizinischem Cannabis in Deutschland. Das Unternehmen verbindet Patient:innen, Ärzt:innen und Apotheken entlang des gesamten Versorgungsprozesses und ermöglicht einen strukturierten, digitalen Zugang zur Therapie. Darüber hinaus stellt MCOS ein öffentliches Apothekenverzeichnis bereit. Verifizierten Patient:innen steht zusätzlich Einsicht in Echtzeitbestände und Preisinformationen der gelisteten Apotheken zur Verfügung, damit sie gut informiert in ihre ärztliche Konsultation gehen können.
Mit einem Netzwerk aus über 500 Apotheken sowie einer sechsstelligen Nutzerbasis arbeitet das 2024 von Cedric Lehmann gegründete Unternehmen daran, die Versorgung mit medizinischem Cannabis effizienter, zugänglicher und qualitativ hochwertiger zu gestalten.