Medizinisches Cannabis steht heute in unterschiedlichen inhalierbaren Formen zur Verfügung. Jede bringt unterschiedliche Inhaltsstoffe, Wirkprofile und Anwendungsmöglichkeiten mit sich. Doch welche Optionen gibt es neben der klassischen Cannabisblüte?
Medizinisches Cannabis hat sich in den vergangenen Jahren von einer Ausnahmetherapie zu einer anerkannten Behandlungsoption entwickelt. Gleichzeitig entwickelt sich die Therapie selbst weiter, und das aus gutem Grund.
Die Cannabisblüte ist nach wie vor die am häufigsten verordnete Form. Sie bringt jedoch Herausforderungen mit sich, die im Therapiealltag oft unterschätzt sind:
Intensiver Geruch
Höherer Handhabungsaufwand
Gesellschaftliche Akzeptanz und Stigmatisierung
Natürliche Schwankungen im Wirkstoffprofil zwischen Chargen
Begrenzte Reproduzierbarkeit der Dosierung
Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die derzeit verfügbaren inhalativen Formen und ihre jeweiligen Unterschiede.
Die drei inhalativen Formen im Überblick
Für die medizinische Versorgung mit Cannabis stehen aktuell drei inhalative Alternativen zur Verfügung: die Cannabisblüte, ethanolische Dronabinol-Lösungen und inhalierbare Extrakte. Was steckt dahinter und welche Unterschiede gibt es?
Der Vergleich auf einen Blick
✓ = vorhanden / ja ✗ = nicht vorhanden / nein ~ = je nach Sorte / schwankend
Merkmal
Blüte
Dronabinol-Lösung
Inhalativer Extrakt (Vollspektrum)
THC enthalten
✓
✓
✓
CBD enthalten
~
✗
~
Minorcannabinoide enthalten
✓
✗
✓
Terpene enthalten
✓
✗
✓
Individuell dosierbar
✓
✓
✓
Standardisierte Zusammensetzung
~
✓
✓
Hohe Dosierpräzision
~
✓
✓
Hinweis: Eine höhere Dosierpräzision bedeutet, dass die pro Inhalationszug aufgenommene Wirkstoffmenge besser vorhersehbar und reproduzierbar ist. Bei der Blüte hängt dies stärker von natürlichen Schwankungen, Mahlgrad, Füllmenge und verwendetem Gerät ab.
Cannabisblüte
Die getrocknete Cannabisblüte ist die bekannteste Form. Sie enthält das gesamte Spektrum der Pflanzenwirkstoffe: die Hauptwirkstoffe THC und CBD, sogenannte Minorcannabinnoide (z. B. CBG, CBN, CBC) sowie Terpene – jene aromatischen Verbindungen, die Geruch und Geschmack prägen und die Wirkung mitbeeinflussen können.
Pharmazeutisch zugelassene Blüten werden unter kontrollierten Bedingungen angebaut und geprüft. Der THC- und CBD-Gehalt ist für jede Charge zertifiziert. Natürliche Schwankungen im Terpene- und Minorcannabinoidgehalt zwischen verschiedenen Chargen oder Sorten sind jedoch möglich.
Medizinisches Cannabis wird üblicherweise nicht geraucht, sondern vaporisiert. Beim Verbrennen entstehen Schadstoffe, die beim Verdampfen nicht anfallen. Pharmazeutisch zugelassene Blüten sind daher für die Verwendung in einem Vaporizer vorgesehen.
Ethanolische Dronabinol-Lösung
Dronabinol ist reines, (halb-)synthetisch hergestelltes THC – ohne weitere Pflanzenwirkstoffe. Als ethanolische (alkoholische) Lösung lässt es sich präzise dosieren und in geeigneten Geräten inhalieren. Diese Form bietet eine definierte Reinheit und eine gleichbleibende Zusammensetzung von Charge zu Charge.
Minorcannabinoide und Terpene sind nicht enthalten. Für Patienten, die auf bestimmte Pflanzenstoffe empfindlich reagieren oder eine klar definierte Einzelsubstanz benötigen, kann diese Form therapeutisch relevant sein.
Inhalierbare Cannabisextrakte
Inhalierbare Extrakte liegen zwischen Blüte und Reinsubstanz: Sie enthalten das breite Wirkstoffspektrum der Pflanze – THC, CBD, Minorcannabinnoide und Terpene – in konzentrierter, standardisierter Form.
Das Wirkstoffprofil des Extrakts hängt stark vom Extraktionsverfahren ab. Bei gängigen Verfahren wie der Ethanol- oder CO2-Extraktion können Terpene und Minorcannabinoide teilweise verloren gehen. Schonende Verfahren, etwa die 1-Schritt- oder Kaltwasserextraktion, sind darauf ausgelegt, das natürliche Wirkstoffprofil der Pflanze weitgehend zu erhalten.
Ein Beispiel hierfür sind PIEX-Rohextrakte (Becanex). Sie werden in einem 1-Schritt-Verfahren gewonnen, das auf den Erhalt des natürlichen Wirkstoffprofils der Cannabispflanze ausgerichtet ist und unter GMP-Bedingungen hergestellt wird.
Zum Inhalieren von medizinischem Cannabis werden in der Praxis überwiegend Vaporisatoren verwendet. Diese Geräte erhitzen das Material auf eine kontrollierte Temperatur, sodass die Wirkstoffe verdampfen, ohne dass schädliche Verbrennungsprodukte wie beim Rauchen entstehen. Einige dieser Produkte sind als Medizinprodukt zertifiziert (MDR-Zertifizierung) und sind somit auf die kontrollierte Verdampfung von Cannabisblüten oder Extrakten ausgelegt.
Die Wahl des passenden Geräts hängt von verschiedenen Faktoren ab, die je nach individueller Situation unterschiedlich relevant sein können. Dazu zählen unter anderem Mobilität, Handhabung und die Alltagstauglichkeit.
Merkmal
Volcano Medic 2
Mighty+ Medic
Curaleaf QMID
Bauart
Stationär (Heimgerät)
Portabel
Portabel, kartuschenbasiert
Geeignet für
Zuhause, eingeschr. Mobilität
Alltag, unterwegs
Alltag, unterwegs
Befüllung
Blüte oder Extrakt in Dosierkapseln
Blüte oder Extrakt in Dosierkapseln
Extrakte in Kartusche
Temperatursteuerung
Digital, 40–230 °C
Digital, 40–210 °C
Automatisch geregelt 160-210°C
Dosierung pro Zug
Temperatur-, Zugvolumenabhängig
Temperatur-,Zugvolumenabhängig
Definierte Freisetzungsrate pro Zug
Akkubetrieb
Nein (Strom)
Ja
Ja
Medizinprodukt
Klasse IIa
Klasse IIa
Medizinprodukt
Welches Gerät am besten geeignet ist, hängt von Deiner Lebenssituation, dem verordneten Produkt und Deiner körperlichen Verfassung ab. Dein Arzt oder Deine Apotheke berät Dich dazu.
Fazit: Unterschiedliche inhalative Formen für unterschiedliche Therapiesituationen
Die Cannabisblüte bleibt weiterhin die am häufigsten verwendete inhalative Form in der medizinischen Cannabistherapie. Gleichzeitig bringt sie Eigenschaften mit sich, die im Therapiealltag relevant sein können. Dazu zählen ein intensiver Geruch, eine aufwendige Handhabung und natürliche Schwankungen im Wirkstoffprofil zwischen Chargen, welche die Dosierbarkeit und Reproduzierbarkeit der Anwendung einschränken können.
Dronabinol-Lösungen haben grundsätzlich eine höhere Dosierpräzision und stärker standardisierte Zusammensetzung, enthalten aber ausschließlich den Einzelwirkstoff THC ohne weitere Pflanzenstoffe wie Terpene und Minorcannabinoide. Inhalative Vollspektrumextrakte enthalten dagegen weitere Bestandteile der Cannabispflanze in konzentrierter Form und bieten gleichzeitig eine gute Dosierbarkeit und Reproduzierbarkeit.
Welche inhalative Form im individuellen Fall sinnvoll ist, solltest Du immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt klären.
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