Cannabisextrakte in der Apotheke: Was ist Rosin & Co.?
2025-07-04
Cannabis als Medizin gibt es längst nicht mehr nur als getrocknete Blüten. Immer häufiger fallen Begriffe wie Cannabisextrakt, Rosin oder Live Rosin (Frischextrakt) – gerade seitdem solche Extrakte auch in deutschen Apotheken erhältlich sind. Doch was hat es mit diesen Konzentraten auf sich? Wie werden sie hergestellt, und worin unterscheiden sich etwa lösungsmittelfreie Extrakte wie Rosin von klassischen CO₂-Extrakten? In diesem Blogbeitrag erhältst Du einen verständlichen Überblick über die Welt der Cannabisextrakte, damit Du die aktuellen Entwicklungen besser einordnen kannst.
Besonders spannend ist, wie inzwischen Verfahren aus der kalifornischen Dabbing-Subkultur den Weg in deutsche Apotheken gefunden haben.
Ein Cannabisextrakt ist ein konzentrierter Auszug aus der Cannabispflanze, der die wirksamen Inhaltsstoffe in höherer Konzentration enthält als die Pflanze selbst. Dazu zählen vor allem die Cannabinoide (wie THC und CBD) sowie Terpene. Im Gegensatz zu getrockneten Blüten, können Extrakte deutlich höhere Wirkstoffgehalte aufweisen (z.B. 70–90% THC). Für Patienten bedeutet dies, dass mit sehr viel geringerer Menge an Material eine gewünschte Dosis erreicht werden kann.
Cannabisextrakte kommen in der Medizin schon länger zum Einsatz – zum Beispiel in Form von öligen Tropfen oder Kapseln, die Apotheken aus Extrakten herstellen. Auch Fertigarzneimittel wie das THC/CBD-Mundspray Sativex basieren auf Extrakten. Ziemlich neu ist jedoch, dass inzwischen vollspektrumhaltige Konzentrate mit dem kompletten Wirkstoffprofil der Pflanze verfügbar sind.
Solche Produkte versprechen, das gesamte Spektrum an Cannabinoiden und Terpenen der Ausgangssorte abzubilden, um den natürlichen Entourageartigen-Effekt zu nutzen. Zwei wichtige Ansätze sind hier zum einen moderne CO₂-Extrakte und zum anderen lösungsmittelfreie Rosin-Extrakte.
Zur Gewinnung eines Cannabisextrakts gibt es verschiedene Verfahren. Grundsätzlich unterscheidet man lösungsmittelbasierte Extraktionen (z.B. mit Kohlendioxid oder Ethanol) und lösungsmittelfreie Extraktionen (mechanische Verfahren). Beide Ansätze haben das Ziel, die gewünschten Wirkstoffe aus dem Pflanzenmaterial zu konzentrieren, unterscheiden sich aber in Technik und Ergebnis.
Rosin (nicht zu verwechseln mit Resin) ist ein Überbegriff für Konzentrate, die ohne flüssige Lösungsmittel allein durch Hitze und Druck gewonnen werden. Der Begriff kommt ursprünglich aus der Cannabis-Enthusiasten-Szene: Rosin machte vor einigen Jahren Furore, als man entdeckte, dass sich mit einer einfachen erhitzten Presse (oder sogar einem Haarglätter) aus Cannabisblüten oder -kief ein ölartiges Harz herauspressen lässt. Dieses Harz ist reich an THC und Terpenen.
Die Rosin-Herstellung ist ein mechanischer Prozess: Man nimmt entweder direkt getrocknete Blüten oder zuvor gesammelte Trichome (z.B. in Form von Kief oder gesiebtem Haschisch) und presst diese zwischen heißen Platten. Durch den Druck schmilzt das Harz aus den Trichomen und fließt heraus. Nach dem Abkühlen erhält man eine gelblich-bernsteinfarbene, klebrige Substanz – das Rosin. Vorteil: Keine Lösungsmittel, keine Zusätze, nur das extrahierte Harz der Pflanze. Nachteil: Die Ausbeute kann geringer sein und die Methode erfordert Sorgfalt (Temperatur, Druck und Dauer beeinflussen Qualität und Gehalt). In der Regel wird Rosin aus gesiebten Harzdrüsen hergestellt, um Pflanzenmaterial (Blätter, etc.) weitgehend fernzuhalten. So erzielt man ein sehr reines Konzentrat.
Rosin-Extrakte gelten vielen Kennern als besonders aromatisch und hochwertig, da sie das vollständige Profil der Pflanze bewahren – vergleichbar oder sogar intensiver als bei guten CO₂-Extrakten. Terpene bleiben erhalten, weil keine aggressive Chemie oder hohe Temperaturen über längere Zeit im Spiel sind. Allerdings hängt viel von der Qualität des Ausgangsmaterials ab: Nur aus harzreichen, potenten Blüten lässt sich ein wirkungsvolles Rosin pressen. Hier kommt Live Rosin ins Spiel.
Eine der gängigsten Methoden in der pharmazeutischen Cannabisproduktion ist die CO₂-Extraktion. Hierbei wird überkritisches Kohlendioxid (CO₂ unter hohem Druck und moderater Wärme) als Lösungsmittel eingesetzt, um Cannabinoide und Terpene aus den Pflanzenteilen zu lösen. CO₂ gilt als ungiftig und hinterlässt keine schädlichen Rückstände – ein großer Vorteil gegenüber klassischen Lösungsmitteln wie Butan oder Ethanol. Nach der Extraktion wird das CO₂ wieder entfernt (es verflüchtigt sich), und übrig bleibt ein konzentriertes Cannabisöl.
Moderne 1-Schritt-CO₂-Verfahren: Ein deutscher Hersteller – Becanex GmbH – hat ein besonderes 1-Step-Extraktionsverfahren entwickelt, das diese Nachteile umgeht. Dieses Verfahren arbeitet mit vergleichsweise niedrigen Temperaturen und Druck. Es werden selektiv die wertvollen Wirkstoffe extrahiert, während z.B. Chlorophyll und Wachse gar nicht erst mitkommen. So bleibt das vollständige Wirkstoffspektrum der Pflanze im Endprodukt erhalten, inklusive eines großen Teils der Terpene die Idee dahinter ist also, ein Extrakt zu erhalten, das der originalen Blüte in Wirkung und Zusammensetzung möglichst nahekommt.
Der Ausdruck “Live” bei Cannabisextrakten bedeutet stets, dass frisches, nicht getrocknetes Pflanzenmaterial verwendet wurde. Bei Live Rosin startet man also mit frisch geernteten, sofort tiefgefrorenen Cannabisblüten. Die gefrorenen Blüten werden in Eiswasser behutsam gerührt, sodass die gefrierbrüchigen Trichome abbrechen und durch feine Siebe gefiltert werden. Dieses “Haschisch” wird dann – ohne Trocknung, oder nur leicht getrocknet unter Erhalt der flüchtigen Stoffe – mittels einer Presse zu Rosin verarbeitet. Das Ergebnis ist Live Rosin, oft auch Frischextrakt genannt.
Erstmals Live Rosin in deutschen Apotheken: Demecan FE 800
Seit Juli 2025 gibt es in Deutschland das erste medizinische Live-Rosin-Extrakt auf dem Markt. Das sächsische Unternehmen DEMECAN hat mit DEMECAN FE 800 No.1 einen sogenannten Frischextrakt nach Live-Rosin-Verfahren eingeführt.
Was steckt hinter “FE 800”? Laut Hersteller steht dies für Frischextrakt, ca. 800 mg THC pro Gramm. Tatsächlich enthält das Extrakt etwa 80% THC und unter 5% CBD, plus rund 6% Terpene
Demecan gibt an, dass FE 800 aus der Sorte Bubba Kush gewonnen wird. Alle Schritte vom Anbau der Pflanzen bis zum Extrakt finden in Deutschland unter kontrollierten Bedingungen statt. Durch die Verwendung frischer, nicht getrockneter Blüten und das schonende Verfahren enthält FE 800 insbesondere mehr flüchtige Terpene als Extrakte aus getrocknetem Material.
Hier fassen wir die wichtigsten Punkte und Unterschiede zusammen:
- Höhere Potenz: Cannabisextrakte wie FE 800 oder PIEX enthalten sehr hohe Wirkstoffgehalte (70–80% THC). Das bedeutet, schon kleinste Mengen genügen, um eine vergleichbare Dosis zu erreichen. Dies kann bei Patienten, die eine hohe Dosierung benötigen oder bei denen das Rauchen/Vaporisieren großer Blütenmengen nicht praktikabel ist, von Vorteil sein. Allerdings erfordert die Anwendung Umsicht.
- Volles Pflanzenprofil: Beide Ansätze, Rosin und PIEX, zielen darauf ab, mehr als nur THC und CBD bereitzustellen. Terpene und andere Cannabinoide bleiben erhalten und könnten die therapeutische Wirkung positiv beeinflussen. Viele Patienten berichten, dass Vollspektrum-Präparate eine andere (oft als “runder” beschriebene) Wirkung haben im Vergleich zu reinen THC-Präparaten. Wissenschaftlich ist der Entourage-Effekt zwar schwer zu quantifizieren, aber das Konzept findet zunehmend Beachtung.
- Lösungsmittelfrei vs. mit Lösungsmittel: Ein Unterschied liegt in der Herstellung: Live Rosin wird komplett ohne chemische Lösungsmittel hergestellt – für manche Anwender ein wichtiges Kriterium, etwa aus naturheilkundlicher Perspektive. CO₂-Extrakte nutzen zwar ein Lösungsmittel (Kohlendioxid), dieses ist jedoch ungiftig und rückstandsfrei. Beide Verfahren liefern am Ende ein sauberes Produkt ohne z.B. Butan- oder Ethanolverunreinigungen. Geschmacklich haben Rosin-Produkte oft ein besonders intensives, “sortengetreues” Aroma, während CO₂-Öle etwas “gefilterter” schmecken können.
- Zielgruppen: Für wen sind solche Extrakte gedacht? In der Medizin kommen sie vor allem bei starkem Bedarf nach hohen Dosen oder einer sehr zuverlässigen, reproduzierbaren Wirkung in Betracht. Chronische Schmerzpatienten, die bereits hohe Blütendosen benötigen, könnten von einem konzentrierten Extrakt profitieren. Ebenso in der Palliativmedizin oder bei bestimmten schweren Erkrankungen, wo eine gleichmäßige Wirkung wichtig ist. Medizinisches Rosin ist kein Party-Produkt.
Solventless ≠ gleich Solventless: Wichtige Unterschiede
Viele Patienten fragen sich, ob Rosin und CO₂-Extrakte dasselbe sind.
Kurz gesagt: Nein.
| Verfahren |
Basis |
Terpenprofil |
Verarbeitung |
| Live Rosin |
Frische Blüten |
Sehr komplex & frisch |
Kaltwasser + Pressung |
| CO₂ 1-Step |
Getrocknete Blüten |
„Pflanzenidentisch“, stabil |
CO₂-Extraktion in 1 Zug |
Beide sind „lösungsmittelfrei“ – aber der Prozess, das Mundgefühl und oft auch der Preis unterscheiden sich.
Warum sind diese Produkte jetzt legal verfügbar?
Bis vor Kurzem war Rosin in Deutschland höchstens in privaten Kreisen bekannt – als DIY-Press oder Importware.
Dank der Liberalisierung (CanG 2024) und der Neuordnung des MedCanG können Hersteller heute innovative Rezepturprodukte anbieten, sofern sie:
- GMP-konform herstellen
- Laborprüfungen beilegen
- klare Dosierungs- und Anwendungsempfehlungen liefern
Häufige Fragen (FAQ)
Wie konsumiere ich Rosin aus der Apotheke?
In der Regel per Vaporisator, z. B. auf Tropfkissen. Auch eine sublinguale (unter der Zunge) Anwendung ist möglich. Die Dosierung wird vom Arzt festgelegt.
Ist es teurer als Blüten?
Meist ja, weil Herstellung und Standardisierung aufwendig sind.
Was bedeutet „Frischextrakt“?
Dass das Ausgangsmaterial direkt nach der Ernte tiefgefroren wurde, um mehr Terpene zu erhalten.
Brauche ich ein BtM-Rezept?
Nein, seit 2024 reicht ein normales Rezept.
Fazit
Die Einführung von Rosin-Extrakten und innovativen Vollspektrum-CO₂-Extrakten markiert einen neuen Meilenstein für die Cannabistherapie in Deutschland. Erstmals stehen lösungsmittelfreie Live-Rosin-Präparate in pharmazeutischer Qualität zur Verfügung – etwas, das vor wenigen Jahren noch undenkbar war.
Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: Mehr Auswahl, mehr Präzision, und ein Stück mehr Natürlichkeit in der Therapie.
Trotz aller Euphorie gilt: Jedes Cannabisextrakt ist ein hochpotentes Arzneimittel, das mit ärztlicher Begleitung eingesetzt werden sollte.
Unterm Strich bieten Cannabisextrakte wie Rosin & Co. eine spannende Ergänzung zur Therapie mit Blüten, indem sie höchste Wirkstoffgehalte und vollständige Profile in einer präzise dosierbaren Form vereinen. Es bleibt abzuwarten, welche Erfahrungen Patienten und Ärzte in den kommenden Monaten damit machen – doch die Weichen sind gestellt für eine noch individuelle und effektive Cannabis-Medizin. Die Zukunft der Cannabistherapie in Deutschland ist damit ein Stück weit “konzentrierter” – und durchaus vielversprechend.
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