Pharmakokinetik beschreibt, was mit einem Wirkstoff nach der Aufnahme in den Körper geschieht: wie schnell er in das Blut gelangt, wie er sich im Gewebe verteilt, wie er umgewandelt und schließlich ausgeschieden wird. Bei THC ist die Art der Anwendung besonders wichtig. Zwischen inhalativer und oraler Aufnahme bestehen deutliche Unterschiede bei Geschwindigkeit, Bioverfügbarkeit, Bildung von Abbauprodukten und Dauer der Wirkung.
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Pharmakokinetik: So unterschiedlich wirken Medikamente mit THC
2026-09-16

Bei der Inhalation gelangt THC über die Lunge sehr rasch in den Blutkreislauf. Bereits wenige Sekunden nach dem ersten Zug ist THC im Plasma nachweisbar; die höchsten Blutkonzentrationen werden typischerweise nach etwa 3 bis 10 Minuten erreicht. Die systemische Bioverfügbarkeit liegt meist bei ungefähr 10 bis 35 Prozent. Sie schwankt unter anderem mit Inhalationstiefe, Zugdauer und Atemanhalten. Nach dem schnellen Anstieg fällt die THC-Konzentration im Blut innerhalb der ersten Stunden deutlich ab, weil sich der stark fettlösliche Wirkstoff rasch aus dem Blut in gut durchblutete Gewebe und später zunehmend in Fettgewebe verteilt.
Die Wirkung folgt nicht dem Blutspiegel. Nach inhalativer Aufnahme setzen psychotrope Wirkungen innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten ein, erreichen ihr Maximum meist nach 15 bis 30 Minuten und klingen innerhalb von etwa 2 bis 3 Stunden weitgehend ab. Dadurch lässt sich die Wirkung im Vergleich zur oralen Einnahme schneller beurteilen.

Bei der oralen Einnahme wird THC aus dem Magen-Darm-Trakt langsamer und unregelmäßiger aufgenommen. Maximale Plasmakonzentrationen treten meistens nach etwa 60 bis 120 Minuten auf, können aber auch deutlich später erreicht werden. Hinzu kommt der sogenannte First-Pass-Effekt: Das aus dem Darm aufgenommene THC gelangt zunächst in die Leber. Dort wird der größte Anteil verstoffwechselt, bevor THC den übrigen Kreislauf und seine Wirkorte erreicht. Deshalb ist die systemische Bioverfügbarkeit nach oraler Einnahme mit im Mittel nur wenigen Prozent deutlich geringer als nach der Inhalation.
Dieser Leberstoffwechsel hat eine weitere Konsequenz. Aus THC entsteht zunächst 11-Hydroxy-THC (11-OH-THC), ein ebenfalls pharmakologisch aktiver Metabolit, und anschließend das nicht psychotrope THC-COOH. Nach oraler Einnahme werden im Verhältnis zum unveränderten THC deutlich höhere Mengen an 11-OH-THC gebildet als nach Inhalation. Das trägt dazu bei, dass die orale Wirkung trotz niedrigerer THC-Spitzenkonzentrationen ausgeprägt und länger anhaltend sein kann.
Typischerweise beginnen die psychotropen Wirkungen nach oraler Einnahme erst nach etwa 30 bis 90 Minuten. Das Wirkmaximum wird häufig nach 2 bis 4 Stunden erreicht; je nach Dosis und beobachteter Wirkung kann die Wirkung etwa 4 bis 12 Stunden anhalten. Die Verzögerung erschwert die unmittelbare Einschätzung der Dosis. Zudem unterscheiden sich die Plasmakonzentrationen nach derselben oralen Dosis zwischen einzelnen Personen erheblich.

Unabhängig vom Aufnahmeweg verteilt sich THC aufgrund seiner hohen Fettlöslichkeit stark im Körper. Ein Teil wird im Fettgewebe gespeichert und später langsam wieder freigesetzt. THC und seine Metaboliten werden überwiegend nach Umwandlung ausgeschieden, hauptsächlich über den Stuhl und zu einem kleineren Anteil über den Urin. Abbauprodukte können deshalb wesentlich länger nachweisbar sein als die akute Wirkung anhält.
Zusammengefasst führt die Inhalation zu einem schnellen Konzentrationsanstieg und Wirkungseintritt mit vergleichsweise kurzer Wirkungsdauer. Die orale Einnahme führt zu langsameren, niedrigeren und stärker schwankenden THC-Spiegeln, zugleich aber zu einer stärkeren Bildung von 11-OH-THC und zu einer deutlich verzögerten, meist länger anhaltenden Wirkung. Für die praktische Anwendung ist daher nicht nur die THC-Dosis entscheidend, sondern ebenso der Aufnahmeweg.
Quelle: Der Text und die Grafiken basieren auf einem Fachartikel des Autors: Grotenhermen F. Pharmacokinetics and pharmacodynamics of cannabinoids. Clin Pharmacokin 2003;42(4):327-360.