Bernd Werse leitet das Institut für Suchtforschung an der Frankfurter University of Applied Sciences und zählt zu den profiliertesten Stimmen der Wissenschaft, wenn es um Cannabis und Konsumrealitäten geht. Seine Studien finden Beachtung in Politik, Medien und Fachkreisen. Zurzeit führt er eine Umfrage zu Cannabis und Alkohol im Straßenverkehr durch.
Gerade solche Daten werden derzeit dringend benötigt. Der Führerschein ist für zahlreiche Cannabispatienten ein sensibles Thema, da unklare Regelungen gelten und Entscheidungen häufig im Einzelfall getroffen werden.
Dieser Beitrag ordnet die laufende Umfrage ein und zeigt, warum ihre Ergebnisse für Patienten relevant sind.
Bernd Werse ist Professor für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt sozialwissenschaftliche Sucht- und Drogenforschung an der Frankfurt University of Applied Sciences. Seit 2024 ist er geschäftsführender Direktor des Instituts für Suchtforschung. Er leitet zahlreiche Forschungsprojekte, darunter das „Monitoring-System Drogentrends“ in Frankfurt am Main sowie Projekte zu harten Drogen und dem Drogenkleinhandel. Zudem engagiert er sich in Verbänden wie dem Schildower Kreis und berät als Sachverständiger den Bundestag sowie Landtage.
Debatten rund um Cannabis verlaufen häufig ideologisch. Die Befunde von Bernd Werse setzen dem empirische Daten gegenüber. Seine Arbeit untersucht das tatsächliche Verhalten und den Alltag der Konsumierenden auf Basis von Befragungen und Feldstudien.
Gerade im Kontext von Cannabis im Straßenverkehr ist dieser Ansatz relevant. Bernd Werse analysiert die Eigenverantwortung der Konsumierenden, dokumentiert Vorsichtsmaßnahmen und benennt Unsicherheiten in den gesetzlichen Regelungen. Diese Befunde dienen Politik, Medien und Fachleuten als Basis für fundierte Entscheidungen.
Aktuell führt Bernd Werse eine UCAS-Umfrage zum Umgang mit Cannabis und Alkohol im Straßenverkehr durch. Die Untersuchung konzentriert sich auf das tatsächliche Verhalten von Cannabis-Konsumierenden und deren Risikoeinschätzung. Dabei wird auch erfasst, wie sich das Verhalten im Straßenverkehr seit dem Inkrafttreten des Cannabisgesetzes zum 1. April 2024 verändert hat.
Diese Untersuchung bildet den zweiten Teil einer Erhebung, die bereits vor den Gesetzesänderungen begann. Die Finanzierung erfolgt durch die Unfallforschung der Versicherer (UDV) und den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).
Ziel ist es, den Alltag von Konsumierenden mit Führerschein sowie Verhaltens- und Einstellungsänderungen seit der Teillegalisierung systematisch zu erfassen. Die Umfrage liefert eine empirische Grundlage für die sachliche Einordnung von Entwicklungen im Straßenverkehr. Die Ergebnisse fließen in die fachliche und mediale Bewertung von Fahrtauglichkeit und Führerscheinpraxis ein.
Für Cannabispatienten ist das Thema Straßenverkehr von hoher Relevanz. Die Einnahme von Medizinalcannabis erfolgt im Rahmen einer Behandlung häufig regelmäßig. Hinzu kommt, dass eine ärztliche Verordnung keine automatische Fahrtauglichkeit garantiert.
In der Praxis führt das häufig dazu, dass Zweifel an der Fahreignung von Cannabispatienten ausgesprochen werden. Diese werden im Rahmen einer Einzelfallentscheidung beurteilt, was Maßnahmen wie eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) nach sich ziehen kann.
Gerade vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Umfrage von Bernd Werse für Cannabispatienten interessant. Sie erfasst die Alltagsrealität der Patienten und bestehende Unsicherheiten systematisch. Diese Daten schaffen eine Grundlage für Aufklärung, fachliche Diskussionen und zukünftige Gesetzgebungen.
Frühere Untersuchungen von Bernd Werse belegen einen reflektierten Umgang von Cannabis-Konsumierenden mit dem Straßenverkehr. Konsumierende prüfen ihre Fahrtauglichkeit bewusst und entwickeln Strategien zur Risikovermeidung. Dazu gehören zeitliche Abstände zwischen Konsum und Teilnahme am Verkehr sowie eine Sensibilität gegenüber Beeinträchtigungen.
Ein weiterer zentraler Befund der Studien war, dass rechtliche Unsicherheiten den Alltag der Konsumierenden prägen. Es herrscht Unklarheit bei den Kriterien der Fahrtüchtigkeit, der Bewertung von THC-Nachweisen und den Konsequenzen. Diese Unsicherheiten bestehen unabhängig davon, ob die Anwendung medizinisch oder freizeitlich erfolgt.
Frühere Untersuchungen verdeutlichten zudem eine Diskrepanz zwischen gesetzlichen Regelungen und der tatsächlichen Praxis. Während rechtliche Vorgaben oft pauschal formuliert sind, erfordert der Alltag einen komplexeren Umgang.
Diese Erkenntnisse bilden die Basis der aktuellen Erhebung. Sie zeigen, dass das Verhalten von Cannabiskonsumierenden im Verkehr durch bewusste Abwägung unter rechtlichen Unsicherheiten geprägt ist. Für Cannabispatienten zeigt das: Die bestehenden Probleme sind struktureller Natur. Trotz eines reflektierten Umgangs mit der eigenen Medikation bestehen rechtliche Unsicherheiten, die Bernd Werse systematisch erfassen will.
Damit die Umfrage die Lebensrealität von Konsumierenden und Patienten präzise abbildet, ist eine hohe Teilnehmerzahl nötig. Wenn Du zur Forschung beitragen möchtest, kannst Du über folgenden Link teilnehmen: UCAS-Umfrage von Bernd Werse zu Cannabis und Alkohol im Straßenverkehr.