Cannabis im Sommer

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Cannabis im Sommer

2026-07-27

Kennst Du das? Der Sommer ist da und Du nimmst Deine gewohnte Medikation ein. Trotzdem fühlt es sich irgendwie anders an. Vielleicht bildest Du Dir das ein, vielleicht aber auch nicht. 

Der Sommer und die Hitze können sich stärker auf Deine Therapie auswirken, als viele zunächst vermuten. Wir zeigen Dir daher in diesem Beitrag, worauf Du in der heißen Jahreszeit achten solltest.

TL;DR

  • Cannabis im Sommer: Hitze und Licht führen zu einem schnelleren Wirkstoffabbau in Deinem Medikament und erhöhen die Belastung für Deinen Körper.
  • Risiken für chronisch Kranke: Da der Sommer schon eine Belastung ist, solltest Du Deine Therapie bei einer chronischen Erkrankung mit Deinem Arzt abstimmen.
  • Richtig lagern: Blüten kühl, dunkel, trocken und luftdicht bei konstanter Raumtemperatur aufbewahren. Nicht im Kühlschrank lagern.
  • Verdampfen im Sommer: Schütze den Vaporizer-Akku vor Hitze und trinke ausreichend, da Hitze und Inhalation die Schleimhäute austrocknen.
  • Edibles im Sommer: Schmelzgefahr! Kühl im Kühlschrank lagern und geschmolzene Edibles nicht mehr verwenden.
  • Cannabis und Reisen: Prüfe vor einer Reise ins Ausland das jeweilige Recht. 
  • Cannabis beim Baden: Cannabis beeinflusst Koordination und Reaktionsfähigkeit, was beim Baden zu gefährlichen Situationen führen kann.
  • Cannabis beim Sport: THC kann die Herzfrequenz steigern und die Leistungsfähigkeit mindern. Trainiere daher bei Hitze lieber moderat und trinke viel.

Wie beeinflusst der Sommer die Therapie?

Der Sommer beeinflusst Deine Therapie an zwei Stellen: Deinem Medikament und Deinem Körper. 

Das Medikament selbst kann sich durch Licht und Wärme verändern. Cannabinoide wie THC bauen sich unter Hitze- und Lichteinfluss schneller ab, beispielsweise zu Cannabinol (CBN). Auch die Terpene verflüchtigen sich schneller. In einer Vier-Jahres-Studie schritt der THC-Abbau unter Lichteinfluss und 22 °C Lagertemperatur deutlich schneller voran als in Dunkelheit und bei 4 °C [1]. Deine Blüten verändern sich also schneller, wenn sie bei warmen Sommertemperaturen gelagert werden.

Zudem kann der Sommer Deinen Körper beeinflussen, was wiederum die Wirkung Deines medizinischen Cannabis beeinflussen kann.

Wirkt Cannabis im Sommer stärker?

Viele Patienten berichten, dass die Wirkung von Medizinalcannabis im Sommer subjektiv stärker ausfällt. Dieser Eindruck lässt sich wissenschaftlich nicht einwandfrei bestätigen. Dennoch gibt es Ursachen, die eine veränderte Wirkung erklären könnten.

Der erste Grund liegt im Kreislauf. THC kann zu einer Erhöhung der Herzfrequenz führen. Zudem kann es durch einen verminderten Gefäßwiderstand einen Blutdruckabfall beim Aufstehen hervorrufen [2]. Eine Metaanalyse randomisierter Studien bestätigt dieses Muster: Durch medizinisches Cannabis entsteht ein erhöhtes Risiko für einen Blutdruckabfall beim Aufstehen [3]. 

Hinzu kommt nun, dass Dein Kreislauf im Sommer durch die Wärme belastet werden kann. In Kombination mit Cannabis kann sich also der blutdrucksenkende Effekt stärker bemerkbar machen. Einige Patienten bemerken das, wenn sie ihre Medikation im Sitzen zu sich nehmen und danach aufstehen.

Der zweite Grund liegt im Produkt selbst. Durch Hitze und Licht verschiebt sich das Cannabinoid- und Terpenprofil Deiner Blüte. Ein höherer CBN-Anteil wird etwa mit einer sedierenden Wirkung in Verbindung gebracht. Dadurch könnte sich die Wirkung Deiner Blüten im Sommer verändern.

Risiken für chronisch Kranke

Für viele Menschen mit einer chronischen Erkrankung ist der Sommer eine große Belastung. Kommt da eine Cannabistherapie hinzu, lohnt sich in der heißen Jahreszeit ein genauer Blick.

Wie gut sich Deine Therapie mit Deiner Grunderkrankung und dem Sommer verträgt, hängt stark von Deiner individuellen Situation ab. Deshalb solltest Du Deine Cannabismedikation im Sommer mit Deinem behandelnden Arzt besprechen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass Deine Therapie auch im Sommer gut zu Dir passt.

Cannabis im Sommer richtig lagern und handhaben

Im Sommer ist die richtige Lagerung der Cannabisblüten besonders wichtig, damit Deine Medikation ihre Qualität behält. Auch bei Verdampfern und Edibles gibt es im Sommer ein paar Dinge zu beachten. Wir gehen die wichtigsten Punkte der Reihe nach durch.

Cannabis im Sommer richtig lagern

Die drei größten Feinde Deiner Blüten sind Wärme, Licht und Luftfeuchtigkeit. Sie beschleunigen den Abbau von Cannabinoiden und Terpenen. Und sie treten im Sommer verstärkt auf.

Am besten bewahrst Du Dein Medizinalcannabis kühl, dunkel und trocken auf. Die Raumtemperatur sollte unter 20 °C liegen und das Cannabis in einer lichtgeschützten Verpackung gelagert werden. Hierfür eignet sich besonders gut ein Schrank in einem kühlen Raum. Meide dagegen klassische Hitzequellen wie die Fensterbank, das Badezimmer oder das aufgeheizte Auto.

Der Kühlschrank ist oft leider keine gute Wahl. Grundsätzlich verlangsamt zwar die Kälte den Wirkstoffabbau. Durch das häufige Öffnen schwankt jedoch die Luftfeuchtigkeit und es kann sich Kondenswasser bilden, wodurch das Schimmelrisiko steigt. Blüten sollten daher lieber bei konstanter Raumtemperatur gelagert werden. Mehr dazu erfährst Du in unserem Beitrag, wie man Cannabis richtig lagert.

Verdampfen im Sommer

Falls Du Deine medizinischen Cannabisblüten verdampfst, lohnt sich ein Blick auf Dein Gerät. Vaporizer besitzen in der Regel Lithium-Ionen-Akkus. Diese reagieren empfindlich auf Hitze. Dein Verdampfer sollte daher nicht an einem warmen Ort liegen oder direktem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Vermeide daher das aufgeheizte Auto, die pralle Sonne oder die Fensterbank. 

Beim Konsum selbst gilt: Sowohl das Rauchen als auch das Verdampfen kann die Atemwege reizen. Beim Verdampfen fällt das in der Regel milder aus. Im Sommer kommt hinzu, dass Hitze, trockene Luft und Schwitzen Deine Schleimhäute zusätzlich austrocknen. Ein trockener oder gereizter Hals kann sich daher schneller bemerkbar machen. Achte deshalb gerade an heißen Tagen auf eine schonende Anwendungsform und darauf, ausreichend zu trinken.

Edibles im Sommer

Edibles sind im Sommer besonders temperaturempfindlich, weil viele von ihnen schmelzen können. Deshalb lohnt sich eine kühle Lagerung. Anders als bei Blüten eignet sich bei Edibles der Kühlschrank ideal. 

Ein Punkt, den viele unterschätzen: Schmelzen Edibles und werden sie wieder fest, können sich die Wirkstoffe darin ungleichmäßig verteilen. Schmelzen bspw. THC-Gummibärchen zusammen, verteilt sich das ursprünglich homogen verteilte THC. Nach dem Aushärten kann in einem Stück Gummibärchen viel mehr THC enthalten sein als in einem anderen. Eine zuverlässige Dosierung ist so kaum noch möglich. Daher ist die richtige Lagerung von Edibles entscheidend. Sind Edibles einmal geschmolzen und wieder gehärtet, sollten sie nicht mehr eingenommen werden.

Extrakte im Sommer

Auch Extrakte, Cannabisöle oder Dronabinol-Tropfen reagieren im Sommer auf Wärme und Licht. Daher sollten sie kühl und lichtgeschützt aufbewahrt werden. Auch bei Extrakten eignet sich der Kühlschrank in der Regel nicht als Lagerort. Viele ölige Tropfen sind laut Packungsbeilage ausdrücklich bei Raumtemperatur unter 25 °C und nicht im Kühlschrank zu lagern. Die Kälte im Kühlschrank kann das Trägeröl zähflüssiger machen und somit die Dosierung erschweren. 

Wie genau Deine Extrakte zu lagern sind, kannst Du einfach der Packungsbeilage entnehmen. Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Produkt.

Wie bei Blüten gilt also auch hier: Lagere Deine Extrakte kühl und lichtgeschützt bei konstanter Raumtemperatur. Vermeide das heiße Auto, die Fensterbank oder sonstige warme Orte mit Lichteinstrahlung.

Sicher durch den Sommer mit Cannabis

Der Sommer lädt ein zu Reisen, Baden und Sport. Bei diesen Aktivitäten kann Deine Therapie einige Besonderheiten mit sich bringen.

Cannabis und Reisen im Sommer

Gerade im Sommer stellt sich die Frage, wie Du Dein Medizinalcannabis sicher in den Urlaub mitnehmen kannst. Dabei gelten je nach Urlaubsziel unterschiedliche Regeln. Alle Details dazu findest Du in unserem Beitrag zu Reisen mit Cannabis.

Cannabis beim Baden und Schwimmen

Wenn an heißen Tagen das Freibad oder der See ruft, ist in Kombination mit Cannabis Vorsicht geboten. Medizinalcannabis kann Reaktionsfähigkeit, Koordination und Wahrnehmung beeinflussen. Beim Schwimmen kann das die Selbsteinschätzung trüben und im schlimmsten Fall zu gefährlichen Situationen im Wasser führen. Deshalb solltest Du Deine Situation korrekt abschätzen und im Zweifelsfall lieber etwas warten, bis die Wirkung nachgelassen hat, bevor Du ins tiefe Wasser gehst. 

Hinzu kommt der Kreislauf. THC kann den Blutdruck beeinflussen. Zusätzlich fordert der Wechsel zwischen Sonnenhitze und kaltem Wasser Deinen Kreislauf. Steige daher lieber langsam ins Wasser und vermeide es, direkt nach der Einnahme ins kalte Wasser zu springen.

Cannabis beim Sport im Sommer

Auch beim Sport lohnt sich ein bewusster Umgang mit Deiner Therapie. THC kann die Herzfrequenz steigern und die maximale körperliche Leistungsfähigkeit reduzieren. Kommen Hitze, körperliche Anstrengung und Cannabismedikation zusammen, summiert sich die Belastung für Herz und Kreislauf. 

Achte deshalb an heißen Tagen auf ein moderates Pensum, ausreichend Flüssigkeit und Pausen. Wenn Du intensiv trainierst, kann es sinnvoll sein, die Einnahme Deiner Medikation und den Sport zeitlich versetzt zu organisieren. Wie sich das konkret mit Deiner Therapie und Deinen Zielen vereinbaren lässt, besprichst Du am besten mit Deinem behandelnden Arzt.

Fazit: Cannabistherapie im Sommer

Der Sommer beeinflusst Deine Therapie an zwei Stellen: Deinem Medikament und Deinem Körper. Die Wirkstoffe in Deinen Blüten bauen sich bei Wärme und Licht schneller ab, weshalb die richtige Lagerung besonders wichtig ist. Zudem ist Dein Kreislauf bei Hitze ohnehin gefordert. Cannabis kann diese Belastungen verstärken. Beim Baden, Sport und auf Reisen lohnt sich deshalb ein bewusster Umgang mit Deiner Medikation.

Mit ein paar einfachen Maßnahmen kommst Du gut durch den Sommer: Bewahre Dein Cannabis richtig auf, trinke ausreichend, gehe Aktivitäten in der Hitze etwas ruhiger an und höre auf Deinen Körper.

Wenn Du unsicher bist, wie Du Deine Cannabistherapie an den Sommer anpasst, besprich das mit Deinem behandelnden Arzt. So gehst Du sicher, dass Deine Therapie das ganze Jahr über gut zu Dir passt.

FAQ

Macht medizinisches Cannabis empfindlicher gegenüber der Sonne?

Nein, dafür gibt es keine belastbaren Hinweise. Dein üblicher Sonnenschutz reicht also aus, unabhängig von Deiner Therapie.

Darf ich mit Medizinalcannabis im Urlaub Auto fahren?

Das hängt stark davon ab, wo Du fährst. Jedes Land hat sein eigenes Recht. Manche Länder haben eine Nulltoleranz gegenüber Cannabis im Straßenverkehr, in anderen Ländern gilt ähnlich wie in Deutschland ein Medikamentenprivileg unter gewissen Voraussetzungen. Informiere Dich deshalb vor einer Fahrt im Ausland über die Regeln des Landes.

Macht mich Cannabis bei Hitze müder?

Das ist möglich. Sommerliche Hitze kann bereits Müdigkeit und Trägheit verstärken. Hinzu kommt, dass viele Sorten tendenziell beruhigend oder ermüdend wirken können. Achte daher an heißen Tagen auf ausreichend Flüssigkeit, plane Pausen ein und meide anstrengende Aktivitäten in der Mittagshitze.

Darf ich Alkohol trinken, wenn ich in der Sonne Cannabis einnehme?

Davon ist abzuraten. Alkohol und THC können sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken und beide belasten bei Hitze zusätzlich den Kreislauf und Flüssigkeitshaushalt. Für Cannabispatienten gilt außerdem am Steuer ein absolutes Alkoholverbot. Kombinierst Du Alkohol und Cannabis im Sommer, steigt das Risiko für Kreislaufprobleme und weitere Beschwerden.

Sollte ich mein Cannabis im Sommer im Kühlschrank lagern?

Für Blüten ist der Kühlschrank im Sommer nicht ideal. Durch das häufige Öffnen schwankt die Luftfeuchtigkeit. Kondenswasser kann sich bilden, wodurch das Schimmelrisiko steigt. Bewahre daher Deine Blüten lieber kühl, dunkel und trocken bei konstanter Raumtemperatur auf.

Für Edibles ist der Kühlschrank allerdings die richtige Wahl.

Was mache ich, wenn mein Kreislauf nach der Einnahme einsackt?

Setz Dich oder leg Dich hin, wenn Du Schwindel bemerkst. Steh dann erst nach einer Pause langsam wieder auf. Ein Glas Wasser und etwas Ruhe können Deinem Kreislauf helfen, sich zu stabilisieren. Gerade im Sommer hilft es, ausreichend zu trinken und nach der Einnahme nicht abrupt aufzustehen. Treten die Beschwerden häufiger oder stärker auf, sollte ärztlicher Rat in Anspruch genommen werden.

Darf ich mein Medizinalcannabis im Freibad oder am See einnehmen?

Grundsätzlich darfst Du Dein verordnetes Medikament als Patient einnehmen. Zwei Dinge gilt es dabei zu beachten.

Erstens gilt das Hausrecht. Hat das Freibad ein eigenes Cannabisverbot in der Hausordnung, musst Du Dich daran halten. Dein Patientenstatus hebt das nicht auf. Zweitens gilt auch für das Rauchen und Verdampfen für Patienten das gesetzliche Konsumverbot, etwa in Sichtweite von Sportstätten, Schulen oder in Gegenwart von Kindern. Nicht-inhalative Einnahmeformen wie Kapseln, Tropfen oder Extrakte sind davon nicht betroffen.

Das heißt für Dich als Patient: Grundsätzlich gilt auch im Freibad oder am See ein Konsumverbot, wenn Kinder in der Nähe sind oder wenn der Betreiber ein Verbot ausgesprochen hat. Dennoch kann es sich für Patienten lohnen, das Gespräch zu suchen. Wenn man dem Betreiber klar aufzeigt, dass die Medikation im Rahmen einer ärztlich verordneten Therapie eingenommen wird und dass man ausreichend Rücksicht auf andere Badegäste nimmt, können sie Kulanz zeigen.

Quellen

[1] Trofin IG, Vlad CC, Dabija G, Filipescu L (2011). Influence of Storage Conditions on the Chemical Potency of Herbal Cannabis. Revista de Chimie (Bucharest), 62(6), 639–645.

[2] Sidney S. Cardiovascular consequences of marijuana use. J Clin Pharmacol. 2002 Nov;42(S1):64S-70S. doi: 10.1002/j.1552-4604.2002.tb06005.x. PMID: 12412838. 

[3] Watanabe AH, Navaravong L, Sirilak T, Prasitwarachot R, Nathisuwan S, Page RL 2nd, Chaiyakunapruk N. A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials of cardiovascular toxicity of medical cannabinoids. J Am Pharm Assoc (2003). 2021 Sep-Oct;61(5):e1-e13. doi: 10.1016/j.japh.2021.03.013. Epub 2021 Mar 26. PMID: 33952424. 

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