Jährlich lässt der Deutsche Hanfverband durch infratest dimap die Stimmung der deutschen Bevölkerung rund um die Legalisierung von Cannabis erheben. Die diesjährigen Ergebnisse enthalten interessante neue Entwicklungen und werfen Fragen zur zukünftigen Form der Cannabispolitik auf.
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DHV-Umfrage & CDU: Die Realität der Cannabispolitik
2026-03-01
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Was ist infratest dimap?
Infratest dimap zählt zu den seriösesten Meinungsforschungsinstituten Deutschlands. Seit 2014 gibt der Deutsche Hanfverband jährlich eine Umfrage zur Stimmung rund um die Legalisierung in Auftrag. Diese Umfrage gilt als besonders belastbar, da sie unabhängigen und etablierten Standards folgt. Somit bildet sie die Stimmung in der Bevölkerung mit geringer Verzerrung ab.
Die wichtigsten Befunde der DHV-Umfrage
Der auffälligste Befund der diesjährigen Erhebung betrifft den Rückhalt für legale Fachgeschäfte wie in Kanada oder den USA. Während 2024, kurz nach der Teillegalisierung, noch 59 % der Befragten legale Fachgeschäfte befürworteten, sank dieser Wert auf 42 %.
Der allgemeine Rückhalt der Bevölkerung für die Entkriminalisierung bleibt stabil. 58 % der Befragten befürworten das Aussetzen der Strafverfolgung. Ebenso wollen 54 % der Befragten die aktuellen Regelungen rund um den legalen Homegrow beibehalten. Diese Werte haben sich kaum verändert.
Das zeichnet ein interessantes Bild: Die Akzeptanz für die Entkriminalisierung von Cannabis ist weiterhin hoch, während der Rückhalt für legale Fachgeschäfte abgenommen hat.
Das politische Paradoxon
Die DHV-Umfrage verdeutlicht eine widersprüchliche Entwicklung in der deutschen Cannabispolitik. Ein breiter gesellschaftlicher Konsens lehnt die strafrechtliche Verfolgung ab. Gleichzeitig sinkt die Zustimmung für Instrumente, die eine kontrollierte, transparente und sichere Versorgung gewährleisten.
Im April 2024 markierten die neuen Regelungen den Beginn der Legalisierung (Säule 1). Eine zweite Säule sah wissenschaftliche Modellprojekte vor, um legale Lieferketten zu erproben. Diese Daten sollten als Nachweis dienen, dass eine staatlich kontrollierte Abgabe den Schwarzmarkt zurückdrängen, den Jugendschutz fördern und Verunreinigungen minimieren kann. Das sollte die Grundlage für eine Legalisierung auf EU-rechtlicher Ebene bilden.
Zahlreiche Städte bewarben sich für diese Modellprojekte und erhielten Absagen. Auch die Zulassung von Cannabis Social Clubs verläuft zögerlich. Zum Jahreswechsel forderten Stimmen in Regierungskreisen sogar einen kompletten Stopp der CSC-Zulassungen.
Das zeigt: Die Wege zu einer legalen Versorgung stocken, während der gesellschaftliche Rückhalt für die Entkriminalisierung bestehen bleibt.
Das Opfer: Patienten
Patienten begegnen wachsender Skepsis, obwohl sie erstmals einen rechtssicheren, transparenten und streng regulierten Versorgungsweg nutzen können. Jahrelang war die Versorgung von Hürden geprägt: BtM-Rezepte, bürokratische Lasten und das Risiko der Kriminalisierung. Seit April 2024 ist dieser Weg entbürokratisiert. Dennoch schlägt den Patienten Misstrauen entgegen.
Dass Patienten die neuen Möglichkeiten der Medizinalcannabis-Verschreibung nutzen, schließt eine jahrelange Versorgungslücke. Anstatt diese Realität anzuerkennen, werden Cannabispatienten unter Generalverdacht gestellt. „Freizeitkonsum auf Rezept“ lautet der Vorwurf. Die CDU möchte gegen diesen vermeintlichen Missbrauch vorgehen: Ein Verbot der Fernverschreibung sowie ein Versandverbot für Cannabismedikationen sind Teil der Debatte.
Das gesellschaftliche Paradoxon zeigt sich hier deutlich: Die Mehrheit befürwortet die Entkriminalisierung, doch die Etablierung legaler Versorgungsstrukturen stößt auf Ablehnung – zulasten der medizinischen Versorgung.
Kurskorrektur in der Union
Nach der Sachverständigenanhörung am 14.01.2026 deuten Signale aus der CDU auf eine mögliche Lockerung der geplanten Verschärfung im MedCanG hin. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Union, Simone Borchardt, räumte die Notwendigkeit von Nachjustierungen ein, um Versorgungslücken zu vermeiden.
Die Ausschussberatungen verdeutlichen, dass die CDU/CSU in der Realpolitik angekommen ist. Ein radikaler Stopp der Telemedizin und des Versands würde die Versorgung Hunderttausender Patienten gefährden. Es besteht die Sorge, dass Patienten mangels therapeutischer Strukturen auf den Schwarzmarkt ausweichen könnten.
Diese Entwicklung steht im Kontrast zur Blockade anderer legaler Versorgungswege. Kommunen, die Modellprojekte der Säule 2 erproben wollen, erhalten Ablehnungsbescheide von Bundesbehörden. Rechtliche Schritte der Städte gegen diese Bescheide laufen bereits. Unionsgeführte Bundesländer erschweren zudem die Zulassung von Cannabis Social Clubs, indem sie bürokratische Hürden aufstellen, die eine Genehmigung de facto verhindern.
Die Union erkennt also zunehmend die Realität des Medizinalmarktes als regulierten Bereich an, blockiert jedoch gleichzeitig die Entwicklung weiterer legaler Versorgungswege.
Realpolitik als Wegweiser
Die cannabispolitische Realität festigt sich. Während Teile der Politik an restriktiven Positionen festhalten und die Umsetzung der Säule 2 verzögern, erweisen sich die etablierten Strukturen als beständig. Die angekündigten Nachjustierungen im MedCanG verdeutlichen, dass die Vorteile der aktuellen Patientenversorgung Bestand haben. Die digitale Versorgung setzt sich zunehmend als moderner Standard durch.
Parallel dazu formiert sich Widerstand gegen Einschränkungen außerhalb des medizinischen Bereichs. Städte suchen den Rechtsweg gegen Ablehnungsbescheide ihrer Modellprojekte und CSCs verfolgen ihre Zulassungsverfahren.
Die politische Lage bleibt volatil, doch Deine Versorgung muss stabil bleiben. Als Dein Navigator halten wir Dich über die rechtlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen auf dem Laufenden.


