CannaFair 2026: Polizeikontrollen, Scientology und die Stigmatisierung von Cannabispatienten

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CannaFair 2026: Polizeikontrollen, Scientology und die Stigmatisierung von Cannabispatienten

2026-09-15

Drei Tage am Areal Böhler mit tausenden Menschen und einer ganzen Community an einem Ort: Die CannaFair 2026 wird bei uns noch lange nachhallen. Vom 21. bis 23. August haben sich in Düsseldorf Patientinnen und Patienten, Ärzte, Anbauvereinigungen, Händler und auch einfach Menschen getroffen, die das Thema seit Jahren begleiten. Es wurde diskutiert, gelacht, gefachsimpelt und vor allem: sich begegnet. 

Deshalb an dieser Stelle erstmal ein großes Dankeschön! An das Team der CannaFair, an alle Aussteller und an jeden, der den Weg auf sich genommen hat. Als Hauptsponsor der diesjährigen CannaFair waren wir mittendrin. Die Gespräche an unserem Stand haben uns nochmal gezeigt, wie wichtig funktionierende Cannabistherapien für Dich sind.

Aber es gibt leider nicht nur Schönes von diesem Wochenende zu berichten. Rund um das Gelände hat die Polizei systematisch Verkehrskontrollen durchgeführt und danach eine Bilanz veröffentlicht, die es in etliche Schlagzeilen geschafft hat. Und vor den Toren der Messe stand eine Mahnwache gegen die Teillegalisierung – organisiert von einem Verein, der laut eigenem Impressum von Mitgliedern der Scientology-Kirche gegründet wurde.

Beide Maßnahmen treffen die Community. Wir haben uns daher beide Vorgänge genauer angeschaut und zeigen Dir, was an diesem Wochenende wirklich passiert ist.

TL;DR

  • Polizeikontrollen: Die Polizei kontrollierte gezielt die Zufahrtswege und veröffentlichte eine Bilanz ohne jede Bezugsgröße.
  • Mahnwache: Vor der Messe protestierte ein Verein, der laut Impressum von Mitgliedern der Scientology-Kirche gegründet wurde. Verteilt wurden Flyer mit Inhalten, die wissenschaftlich nicht haltbar sind.
  • Für Dich als Patient heißt das: Mit diesen Vorurteilen lebst Du als Cannabispatient weiter. Wir setzen uns daher weiter für alle Cannabispatienten und eine sachliche Aufklärung ein.

Die Düsseldorfer Polizei kontrolliert gezielt Messebesucher

Die Direktion Verkehr der Polizei Düsseldorf hat an allen drei Messetagen mobile Einsatzteams rund um das Areal Böhler postiert. Kontrolliert wurden gezielt Fahrzeuge, die von oder zum Veranstaltungsgelände fuhren. Am 24. August veröffentlichte die Behörde ihre vorläufige Bilanz unter dem Titel: „Lörick – Verkehrskontrollen auf den Zufahrtswegen zur Hanfmesse”. Die Ergebnisse waren:

Freitag 21.08.2026 Samstag 22.08.2026 Sonntag 23.08.2026
Verdachtsfälle insgesamt 30 27 31
davon THC allein 27 18 30
Mischkonsum 1x Kokain, 1x THC + Amphetamin, 1x THC + Kokain 1x THC + Amphetamin, 1x THC + Alkohol 1x THC + Amphetamin + Meth

Dazu kamen am Freitag acht Verdachtsfälle einer Straftat, unter anderem wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Verstößen gegen das Betäubungsmittel- und Konsumcannabisgesetz. Ebenfalls am Freitag wurde ein 29-Jähriger mit rund 70 Gramm Marihuana angetroffen, das er nach eigenen Angaben zum Eigenkonsum bei sich führte. Ein weiterer Sonderfall wird beschrieben: Ein 21-Jähriger aus Düsseldorf zeigte am Freitag einen positiven Vortest auf Betäubungsmittel, nachdem er angehalten wurde. Am Samstag wurde er erneut angehalten und wieder verlief ein Test auf Betäubungsmittel positiv.

Für Samstag nennt die Polizeimeldung 27 Verdachtsfälle, schlüsselt aber nur 20 davon nach Substanzen auf. Die Differenz wird in der Mitteilung nicht erläutert.

Diese Zahlen sind, was sie sind. Wer nicht fahrtüchtig ist, gehört nicht ans Steuer. Daran gibt es nichts zu rütteln.

Interessant ist, was nicht in der Pressemitteilung steht. Die Meldung nennt keine einzige Bezugsgröße. Wie viele Fahrzeuge insgesamt kontrolliert wurden, erfährt man nicht. Übrig bleibt nur eine Summe von 88 Verdachtsfällen, die sich hervorragend als Schlagzeile eignet. Und genau so ist diese Schlagzeile in den letzten Tagen durch die Medien gewandert.

Bei einer Veranstaltung, zu der rund 300 Aussteller geladen waren und etwa 30.000 Besucher erwartet wurden, macht dieser fehlende Nenner einen gewaltigen Unterschied. 

Und noch etwas fehlt: Es gibt kein Wort dazu, wie viele der Kontrollierten Cannabispatienten mit ärztlicher Verordnung waren. Für diese Gruppe gibt es explizit eine Ausnahmeregelung: Wer sein ärztlich verordnetes Medikament bestimmungsgemäß einnimmt und fahrtüchtig ist, fällt nicht automatisch unter den Ordnungswidrigkeitentatbestand. 

Ein Blick nach München

Dass es auch anders geht, zeigt das Münchner Oktoberfest. Die Münchner Polizei veröffentlicht jedes Jahr zum Oktoberfest eine ausführliche Bilanz und zieht sogar vereinzelt Vergleiche zu den letzten Jahren, damit die Zahlen besser eingeordnet werden können.

Im Jahr 2025 registrierte die Polizei nach acht von 16 Festtagen 285 Trunkenheitsfahrten. Im Vorjahr waren es noch 164. Von den 285 Trunkenheitsfahrten entfielen 172 auf E-Scooter. Dazu kamen 15 Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss gegenüber zehn im Vorjahr. 

Und wie ordnet die Behörde das ein? In demselben Papier heißt es, dass sich Straftaten trotz Millionen von Besuchern auf niedrigem Niveau bewegen. 

Ein direkter Vergleich zwischen Düsseldorf und München ist nicht möglich. Die Wiesn dauert viel länger, hat ein Vielfaches an Besuchern und in München werden die Fälle im ganzen Zuständigkeitsbereich gezählt, während in Düsseldorf gezielt die Zufahrtswege kontrolliert werden. Wo gezielt kontrolliert wird, findet man logischerweise mehr.

Was wir kritisieren: In München liefert die Polizei die Werkzeuge zur Einordnung gleich mit. Vorjahresvergleiche, Bezugsgrößen und eine Bewertung des Niveaus sind Teil des Berichts. In Düsseldorf gibt es davon nichts. Es geht uns also darum, wie eine Zahl präsentiert wird, wenn sie mit einer Cannabismesse in Verbindung steht. Ohne Vergleich, ohne Bezugsgröße und ohne Differenzierung zwischen Freizeitkonsum und Therapie bleibt nur ein einprägsames Bild: Wer zur Hanfmesse fährt, fährt vermutlich bekifft. Und mit diesem Bild lebst Du als Cannabispatient weiter.

Anti-Drogen-Mahnwache mit Scientology-Hintergrund

Am Samstag, dem 22. August, stand direkt vor dem Areal Böhler eine Mahnwache. Anlass war ausdrücklich die CannaFair mit dem Ziel, gegen die Teillegalisierung zu protestieren. Organisiert wurde die Aktion von der Initiative „Sag Nein zu Drogen NRW”. Die Kritiker befürchten, dass die Teillegalisierung ein falsches Zeichen setzt und die Gefahren verharmlost werden.

Das ist erst einmal völlig legitim. Interessant ist der Absender. Der Verein wurde laut Impressum im Jahr 2003 von Mitgliedern der Scientology-Kirche gegründet. Er ist der deutsche Arm der „Foundation for a Drug-Free World”, die auf ihrer eigenen Webseite schreibt, dass sie von Scientology gesponsert wird. 

Sachlich ist die Aufklärungsarbeit leider nicht. Im Info-Heft „Fakten über Cannabis”, das der Verein kostenlos verteilt und online zum Download anbietet, steht, dass THC Gehirnzellen zerstöre. Ein paar Zeilen weiter heißt es, Cannabis könne schwerste Erbgutschäden bewirken und in der Schwangerschaft zu Leukämie beim Kind führen. 

Schade eigentlich. Wenn Scientology schon gegen Cannabis wettert, dann doch bitte auf Basis echter Science.

Unser Fazit

An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an alle, die da waren und die diesjährige CannaFair ermöglicht haben! Drei Tage lang haben wir erlebt, wie groß die Community inzwischen ist.

Umso ärgerlicher ist es, dass die Community an diesem Wochenende gleich von mehreren Seiten ins Visier genommen wurde. Sowohl von einer Polizeibilanz, deren Darstellung die CannaFair in ein schlechtes Licht rückt, als auch von einer Mahnwache, deren Infomaterial mit Wissenschaft wenig zu tun hat.

Beides bleibt hängen. Und beides trifft am Ende Dich, wenn Du im Alltag erklären musst, warum Du Patient einer Cannabistherapie bist.

Genau deshalb machen wir weiter. Wir sehen uns beim nächsten Mal!

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