MedCanG im Bundestag: 1. Lesung am 18.12.2025
2025-12-14
Stand: 14.12.2025
Lesezeit: ca. 7 Minuten
Wenn Du medizinisches Cannabis nutzt, fühlt sich Politik manchmal an wie ein Gespräch über Dich, ohne Dich.
Und genau so eine Woche ist das gerade: Am Donnerstag, 18. Dezember 2025 geht die MedCanG-Novelle in die 1. Lesung im Bundestag.
Dieser Artikel ist Dein Update, ohne Panikmache, ohne Nebel. Mit Timeline, Kontext und den Stellen, an denen im Verfahren wirklich noch Musik drin ist.
Wenn Du unsere letzten Updates lesen willst, hier ist die direkte Fortsetzung des bisherigen Verlaufs:
TL;DR in 30 Sekunden
- 18.12., 22:20 Uhr: 1. Lesung im Bundestag, Debatte ca. 20 Minuten, danach Ausschüsse.
- Der Entwurf zielt auf Präsenzkontakt bei Cannabisblüten, Folgeverschreibungen mit Regel-Korridor, plus kein Versand von Blüten.
- Der Bundesrat hat zusätzliche Punkte angeschoben: Preisbindung klarstellen, EU-Rezept-Thema, Werbeverschärfung.
- Die Bundesregierung hat dazu bereits Position bezogen: EU-Rezept-Punkt abgelehnt, Preisbindung wird geprüft, Werbepunkt abgelehnt.
- Am Freitag bringen wir ein Update, sobald die 1. Lesung durch ist und klarer wird, welche Linien im Parlament gerade wirklich tragen.
- Wichtig für Dich: Am 18.12. wird noch nichts sofort “umgestellt”, es ist erstmal der parlamentarische Einstieg und die Überweisung in Ausschüsse.
1) Wo wir im Verfahren stehen
Die Timeline in kurz, damit Du das einordnen kannst:
- Referentenentwurf im Sommer 2025
- Kabinettbeschluss am 08.10.2025
- Bundesrat (1. Durchgang) am 21.11.2025
- Jetzt: 1. Lesung im Bundestag am 18.12.2025
- Ausschüsse beraten weiter, danach folgen 2. und 3. Lesung zu einem späteren Termin
Wichtig dabei: Die 1. Lesung ist selten der Moment, in dem Inhalte final fallen. Aber einer, in dem Positionen sichtbar werden, Mehrheiten getestet werden und die Ausschussarbeit offiziell startet.
2) Was im Entwurf aktuell drinsteht
Der Kern dreht sich um Cannabisblüten, also um den Teil der Versorgung, der politisch gerade am meisten unter Stress steht.
Präsenzkontakt für Cannabisblüten
Für Cannabisblüten soll die Verschreibung an einen persönlichen Kontakt gebunden werden, typischerweise in der Praxis oder beim Hausbesuch.
Folgeverschreibungen mit Quartalslogik
Folgeverschreibungen sollen möglich bleiben, wenn innerhalb der letzten vier Quartale bereits ein persönlicher Kontakt im Kontext der Blüten-Verschreibung stattgefunden hat. Das ist der Mechanismus, der später oft als „Hybrid-Korridor“ gelesen wird, weil er einen behandelnden Verlauf abbilden soll.
Kein Versand von Cannabisblüten
Cannabisblüten sollen nicht mehr per Versand an Endverbraucher abgegeben werden. Abgabe soll im Apothekenbetrieb stattfinden, Botendienst der Apotheke bleibt als Weg im System weiterhin relevant.
Keine Sunset-Klausel
Im Entwurf steht auch: Es gibt keine automatische Befristung, stattdessen Beobachtung und Evaluierung im Rahmen der laufenden Regierungsaufgaben.
3) Was der Bundesrat zusätzlich wollte und warum das für Patienten relevant ist
Der Bundesrat hat im November drei Zusatzpunkte prominent gemacht. Die sind wichtig, weil sie zeigen, wo politisch noch mehr „Zug nach rechts“ in der Regulierung entsteht, auch wenn es nicht zwingend im finalen Gesetz landet.
(A) EU-Rezepte und Kontrolle
Der Bundesrat wollte die Anerkennung bestimmter ausländischer Verschreibungen im Kontext dieser neuen Präsenzlogik entschärfen, mit dem Argument der Kontrollierbarkeit.
(B) Preisbindung ausdrücklich klären
Der Bundesrat wollte die Arzneimittelpreisverordnung explizit auf Medizinalcannabis gezogen sehen, weil aktuell in der Praxis Uneinheitlichkeit entsteht und Preiswettbewerb politisch als Trigger wirkt.
(C) Werbung stärker einschränken
Der Bundesrat wollte im MedCanG zusätzlich verankern, dass Laienwerbung rund um Medizinalcannabis unzulässig ist und sich die Regeln eindeutig an §10 HWG orientieren.
4) Was die Bundesregierung dazu sagt
Das ist der Teil, den viele übersehen: Nach dem Bundesrat kommt oft schon die erste harte Kante aus der Bundesregierung, was sie im weiteren Verfahren mitträgt.
EU-Rezept-Punkt
Die Bundesregierung lehnt den Vorschlag ab und verweist auf den EU-Rechtsrahmen rund um grenzüberschreitende Versorgung und die bestehende Logik in der AMVV.
Preisbindung
Hier ist der Ton deutlich offener: Die Bundesregierung will den Vorschlag prüfen.
Werbung
Hier ist die Linie klar: Die Bundesregierung sieht Medizinalcannabis bereits als verschreibungspflichtiges Arzneimittel im Sinne des HWG, plus Verweis auf Rechtsprechung gegen Plattform-Werbung.
5) Warum das politisch gerade so eskaliert
Die Begründung läuft seit Monaten nach einem ähnlichen Muster: Importzahlen rauf, GKV-Verordnungen nur leicht rauf, daraus wird „Privatrezept-Boom“ gelesen, daraus wird „Missbrauchsrisiko“ gebaut.
Genau dieses Narrativ ist der Treiber hinter Präsenzpflicht und Versandstopp. Es ist der Frame, auf dem gerade fast jede Debatte aufsetzt, auch wenn die Versorgungsrealität von Patienten deutlich komplexer ist.
6) Was das für Dich ganz praktisch bedeuten kann
Heute ändert sich noch nichts über Nacht. Der Prozess startet am 18.12. im Plenum, danach geht es in die Ausschüsse. Was Du daraus mitnehmen kannst, ist eher ein realistischer Blick auf Reibungspunkte, die politisch gerade bewusst verschärft werden.
1) Wenn Du bereits in Behandlung bist
Dann wird Kontinuität zur Währung. Halte Deinen Verlauf greifbar: Medikation, Dosis, Wirkung, Nebenwirkungen, Diagnosen, Vorbehandlungen.
2) Wenn Du auf Telemedizin angewiesen bist
Dann hängt viel daran, wie der Gesetzgeber „Erstkontakt“ und „bekannter Patient“ am Ende sauber trennt. Genau diese Grenzziehung entscheidet, ob Versorgung weiter hybrid funktionieren kann, oder ob sie für viele praktisch abreißt.
3) Wenn Logistik Dein Engpass ist
Versand vs Botendienst klingt politisch klein, ist im Alltag riesig. Für Menschen mit Schmerzen, Fatigue, Mobilitätsproblemen oder ländlicher Lage ist das die Differenz zwischen planbar und unmöglich.
4) Was MCOS daran konkret interessiert
Wir schauen nicht nur auf Paragraphen. Wir schauen auf Durchlaufzeiten, Kapazitäten, echte Arztverfügbarkeit und die Frage, wie man Versorgung so baut, dass sie skalierbar bleibt, auch wenn Regeln strenger werden. Genau an der Stelle hängt das Doctors Dashboard: Es macht Versorgung wieder steuerbar, statt dass jeder Patient solo im Nebel steht.