CDU-Drogenbeauftragter Streeck für Cannabis-Modellprojekte: Was Patienten jetzt wissen müssen

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CDU-Drogenbeauftragter Streeck für Cannabis-Modellprojekte: Was Patienten jetzt wissen müssen

2026-06-13

Eine bemerkenswerte Nachricht hat in letzter Zeit die Runde gemacht: Prof. Dr. Hendrik Streeck, seit Mai 2025 Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, ist der erste Unionspolitiker, der sich offen für die Umsetzung der Säule 2 der Cannabis-Teillegalisierung ausspricht. 

Zur Erinnerung: Die Teillegalisierung unter der Ampel-Koalition bestand aus zwei Teilen. Säule 1 umfasste die Entkriminalisierung des Besitzes und des privaten Anbaus für Erwachsene sowie die Gründung von Cannabis Social Clubs. Säule 1 ist seit dem 1. April 2024 in Kraft. Säule 2 sieht wissenschaftlich begleitete, regionale Modellprojekte mit regulierten Fachgeschäften vor. Sie wurde nie umgesetzt und galt politisch als tot.

Genau das könnte sich jetzt ändern. Streecks Vorstoß ist der erste seit Langem und könnte dem politischen Stillstand ein Ende setzen. Erstmals sagt ein CDU-Politiker, dass er die Teillegalisierung nicht rückabwickeln, sondern pragmatisch fortsetzen will. Dabei ist seine Argumentation differenziert – und das schauen wir uns jetzt an.

TL;DR

  • Hendrik Streeck: Der Bundesdrogenbeauftragte überrascht mit einem differenzierten und wissenschaftlich fundierten Ansatz. Als erster Unionspolitiker erkennt er die Realität der Cannabispatienten und -konsumenten an und spricht sich gegen eine Rückabwicklung der Teillegalisierung aus.
  • Modellprojekte: Streeck spricht sich offen für die Umsetzung von Säule 2 aus, also wissenschaftlich begleiteten Modellprojekten mit Fachgeschäften. Die Umsetzung von Säule 2 galt lange als politisch tot.
  • Patienten: Er unterstützt die Reformvorschläge des MedCanG. Er will medizinische Versorgung von Freizeitkonsum trennen und damit eine hochwertigere Patientenversorgung mit weniger Stigmatisierung und mehr Akzeptanz für Cannabis als Therapieform erreichen.
  • Wendepunkt: Das markiert einen Wendepunkt. Die CDU war bisher der größte Gegner der Cannabislegalisierung. Sie bewegt sich zunehmend weg von ideologischer Ablehnung hin zu Realpolitik und der Anerkennung der Realitäten von Cannabispatienten und -konsumenten.

Streeck ist offen für Modellprojekte: Säule 2 ist zurück auf der Agenda

Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) hat ein Interview mit dem Drogenbeauftragten der Bundesregierung Hendrik Streeck geführt. Anlass war eine generelle Bestandsaufnahme nach zwei Jahren Teillegalisierung. 

Ein Satz aus diesem Interview, der vielen im Kopf geblieben ist, lautet: „Bei möglichen Modellvorhaben wäre ich persönlich offen, aber nur unter sehr strengen Bedingungen”. Diese benennt er konkret:

  • keine Normalisierung
  • keine kommerzielle Ausweitung
  • keine Werbung
  • keine Abgabe an junge Erwachsene

Zudem findet er begrenzte Abgabemengen von etwa fünf Gramm denkbar und eine Abgabe an Personen über 25.

Diese Einschränkungen klingen erstmal abschreckend. Dabei markiert diese Aussage einen Wendepunkt: Als erster Unionspolitiker stößt Streeck die Umsetzung der Säule 2 an.

Denn bis dato war die Säule 2 politisch tot. Zahlreiche Städte haben Modellprojekte geplant, doch alle Anträge scheiterten, weil der Gesetzgeber nie den nötigen gesetzlichen Rahmen geschaffen hat. Das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hatte also schlicht keine Grundlage, um die Anträge der Städte zu genehmigen. 

Die Aussage von Streeck bringt also erstmals wieder Wind in das politische Vorhaben.

Streeck erkennt die Realität an: Realpolitik statt Ideologie

Streecks Aussagen sind besonders bemerkenswert, da aus der CDU ansonsten eine Rückabwicklung der Teillegalisierung gefordert wird. Streeck bricht mit dieser Linie und erkennt an, dass die bisherige Umsetzung Lücken aufweist. Im Interview spricht er konkret an, dass 5 Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig Cannabis konsumieren und das eine Realität ist, die man sich nicht wegdenken kann. In seinen eigenen Worten: „Es hilft nichts, ein Gesetz entweder schönzureden oder so zu tun, als könne man die Entwicklung einfach zurückdrehen, ohne die Praxis zu betrachten”. Gleichzeitig erkennt er an, dass die momentane Umsetzung Lücken im Jugend- und Verbraucherschutz aufweist. 

Damit rutscht die CDU immer stärker aus dem ideologischen Kampf gegen Cannabis in die Realpolitik. Und das ist für die Weiterentwicklung der Cannabispolitik in Deutschland womöglich wertvoller als Vorstöße aus progressiven Lagern.

Dabei betrachtet Streeck die momentane Gesetzgebung und alltägliche Praxis differenziert aus der Sicht eines Arztes und Wissenschaftlers. So spricht er sich für strengere Konsumverbote an Orten aus, wo Kinder und Jugendliche vermehrt präsent sind. Auch die aktuelle Besitzobergrenze von 25 Gramm sieht er kritisch, weil sie der organisierten Kriminalität zu viel Spielraum lasse. Zudem sieht er den Konflikt im Eigenanbau, dass drei selbstangebaute Pflanzen viel mehr Blüten produzieren könnten, als für den persönlichen Eigenbedarf nötig. 

Streeck fährt damit eine klare Linie: Wissenschaft statt Ideologie. Für eine Partei, die Cannabis lange reflexartig abgelehnt hat, wäre das ein überfälliger Schritt.

Streeck und die Patienten: Medizin darf kein Ersatzmodell werden

Der wohl wichtigste Kritikpunkt der CDU lag bisher im vermeintlichen Missbrauch der medizinischen Versorgung durch Freizeitkonsumenten. Nina Warken und die CDU kritisieren, dass Freizeitkonsumenten durch fragwürdige Geschäftsmodelle an medizinische Verschreibungen für Cannabis gelangen können. Auch Streeck sieht dieses Problem und spricht sich für eine klare Trennung von Medizin und Freizeit aus. 

Streecks Position ist darin besonders, dass er den Patienten in den Mittelpunkt stellt. Denn der potenzielle Missbrauch schadet nicht nur dem System, sondern vor allem den Patienten. Durch den Missbrauch leidet die gesellschaftliche Akzeptanz der Therapieform und verschreibende Ärzte werden unter Generalverdacht gestellt. Insbesondere tritt die hochwertige, leitliniengerechte Versorgung von Menschen in den Hintergrund. Für ihn ist daher nicht verhandelbar, dass medizinisches Cannabis weiterhin zuverlässig verfügbar bleibt und dass die Versorgung der Patienten getrennt wird von der Versorgung der Freizeitkonsumenten. 

Im Rahmen ihrer Vorschläge zur Reform des MedCanG hat auch Gesundheitsministerin Nina Warken eine ähnliche Erkenntnis formuliert: Die Versorgung vulnerabler Patienten (Menschen auf dem Land, chronisch Kranke, Mobilitätseingeschränkte) darf durch schärfere Regeln nicht gefährdet werden. Du kannst mehr zu den Vorschlägen Warkens in unserem Beitrag über die MedCanG-Änderung lesen.

Streeck unterstützt die Richtung von Nina Warkens Gesetzesentwurf grundsätzlich. Er befürwortet, dass Cannabisblüten nach einem persönlichen Arztkontakt verschrieben und nicht mehr per Versand abgegeben werden sollen. Dadurch soll echten Patienten die hochwertigere Versorgungsqualität zukommen, die sie wirklich brauchen. Und für Freizeitkonsumenten setzt er auf funktionierende legale Wege wie Anbauvereine und Modellprojekte, die eine sichere Versorgung ermöglichen sollen.

Streeck und die Anbauvereine: Er nennt die Probleme beim Namen

Streeck will die Freizeitkonsumenten nicht sich selbst überlassen. Neben der Umsetzung von Säule 2 spricht er sich auch für grundlegende Veränderungen bei den Cannabis Social Clubs aus. Er sieht, dass diese so kompliziert reguliert sind, dass sie kaum funktionieren. Daher verfehlen Cannabis Social Clubs laut Streeck ihre eigentliche Aufgabe: Eine niedrigschwellige, nichtkommerzielle Versorgung der Freizeitkonsumenten zu ermöglichen.

Fazit: Streeck bringt die CDU in die Realpolitik

Streeck erweist sich als einer der wenigen Unionspolitiker, der die tatsächliche Komplexität der Cannabispolitik versteht und die richtigen Konsequenzen zieht. Er denkt an Patienten und Konsumenten, versteht die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Versorgungswegen und macht damit Politik, die in der Realität der Menschen ankommt.

Zwei Jahre lang hat die CDU in einem ideologischen Kampf versucht, die Teillegalisierung rückabzuwickeln. Nach zwei Jahren ist es der Union nicht mehr möglich, die Realität der fünf Millionen regelmäßigen Cannabiskonsumenten hierzulande zu ignorieren und zu bekämpfen. Streeck markiert einen Wendepunkt: Mit einem wissenschaftlich fundierten Ansatz, den man in der CDU und CSU lange vermisst hat, öffnet er den Weg für eine pragmatische Cannabispolitik, die funktionieren und Konsumenten sowie Patienten sichere und hochwertige Alternativen zum Schwarzmarkt bieten kann.

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