MedCanG zwischen den Jahren: Was im Bundestag passiert ist und was im Januar kommt

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MedCanG zwischen den Jahren: Was im Bundestag passiert ist und was im Januar kommt

2025-12-28

Zwischen den Jahren ist es ruhig. Der Bundestag macht Pause, die Ausschüsse tagen nicht, und die meisten Nachrichten drehen sich um Jahresrückblicke. Aber das MedCanG-Verfahren läuft weiter; es wartet nur auf Januar.

Am 18. Dezember fand die erste Lesung statt. Am 14. Januar folgt die öffentliche Anhörung im Gesundheitsausschuss. Dieser Artikel ist Dein Überblick: Was ist passiert, wer hat was gesagt, und was kommt als Nächstes.

TL;DR

  • Die erste Lesung im Bundestag fand am 18. Dezember 2025 statt; der Entwurf wurde an den Gesundheitsausschuss überwiesen.
  • Die Koalition ist sich nicht einig: Die SPD hat öffentlich für Telemedizin und Versand plädiert.
  • Am 14. Januar 2026 findet die öffentliche Anhörung im Gesundheitsausschuss statt; 22 Sachverständige sind geladen.
  • Für Dich ändert sich erstmal nichts. Das Verfahren läuft weiter, aber nichts ist beschlossen.

Wenn Du Dir zwischen Weihnachten und Silvester die Frage stellst, wie es mit dem Medizinal-Cannabis-Gesetz weitergeht: Dieser Artikel ist Dein kompakter Überblick. Was ist am 18. Dezember passiert, wer hat was gesagt, und was kommt im Januar.

Falls Du die bisherige Geschichte nachlesen willst:

1) Was am 18. Dezember passiert ist

Die erste Lesung fand am Donnerstagabend statt; letzter Debattenplatz, Beginn 22:47 Uhr, kurz vor Mitternacht, kurz vor Weihnachten. Zwanzig Minuten Redezeit, dann Überweisung an die Ausschüsse. So weit, so normal.

Was weniger normal war: Die Koalitionspartner haben öffentlich unterschiedliche Positionen vertreten. Das passiert selten in einer ersten Lesung und zeigt, dass hier noch Verhandlungsmasse liegt.


 

2) Was die Fraktionen gesagt haben

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) verteidigte den Entwurf mit den bekannten Zahlen: 32 Tonnen Import 2023, geschätzte 192 Tonnen 2025. Ihr Argument: „Niemand kann ernsthaft der Auffassung sein, wir hätten vierhundert Prozent mehr Schmerzpatienten.“ Präsenzkontakt und Versandstopp sollen Missbrauch bekämpfen; die Versorgung schwerkranker Patienten bleibe gewährleistet.

Die SPD ging einen anderen Weg. Matthias Mieves sagte klar: „Ein ärztlicher Kontakt kann im Jahr 2025 genauso gut per Videocall stattfinden.“ Die SPD betonte, dass Menschen in ländlichen Regionen auf Telemedizin und Versand angewiesen sind; diese werde man „nicht im Stich lassen“. Ziel sei eine Lösung, die Missbrauch bekämpft und Versorgung sicherstellt.

Bündnis 90/Die Grünen kritisierten scharf. Linda Heitmann fragte, ob das Gesetz überhaupt rechts- und europarechtskonform sei. Sie nannte den Entwurf „unausgegoren“ und wies darauf hin, dass Schmerzmittel und andere verschreibungspflichtige Medikamente ein „deutlich größeres Problem“ seien als Cannabis; dort werde aber nicht verschärft.

Die Linke ging weiter. Ates Gürpinar: „Drei Millionen Menschen haben problematischen Medikamentenkonsum. Die Zahl der Toten durch Medikamentenmissbrauch jedes Jahr: fünfstellig. An Cannabis sterben jedes Jahr null Menschen. Und ausgerechnet da fangen Sie an?“

Die AfD unterstützt den Entwurf und fordert perspektivisch die vollständige Rücknahme der Teillegalisierung.


 

3) Was das für den weiteren Prozess bedeutet

Die öffentliche Uneinigkeit zwischen CDU und SPD ist relevant. In einer Koalition stimmt man normalerweise erst intern ab, bevor man im Plenum spricht. Dass die SPD offen für Telemedizin und Versand plädiert hat, zeigt: Hier wird noch verhandelt.

Der Entwurf ist jetzt im Gesundheitsausschuss. Dort beginnt die eigentliche Arbeit; dort können Änderungsanträge eingebracht werden.


 

4) Die Anhörung am 14. Januar 2026

Am 14. Januar 2026 findet die öffentliche Anhörung im Gesundheitsausschuss statt. Das ist der Moment, in dem Sachverständige offiziell Stellung nehmen.

Termin: Mittwoch, 14. Januar 2026, 16:00–17:30 Uhr
Ort: Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal E 300
Anmeldeschluss: 12. Januar 2026, 15:00 Uhr

Die Anhörung ist öffentlich. Du kannst Dich anmelden und vor Ort zuhören.

Wer ist geladen?

Auf Vorschlag aller Fraktionen sind unter anderem eingeladen:

  • ABDA (Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände)
  • ACM (Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin)
  • BDCan (Bund Deutscher Cannabis-Patienten)
  • BPC (Bundesverband pharmazeutischer Cannabinoid Unternehmen)
  • Bundesärztekammer
  • Cannabis SelbsthilfeNetzwerk
  • Deutsche Schmerzgesellschaft
  • Deutscher Hanfverband
  • GKV-Spitzenverband
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung
  • VCA (Verband der Cannabis versorgenden Apotheken)
  • Verbraucherzentrale Bundesverband

Zusätzlich wurden auf Einzelvorschlag geladen:

  • Prof. Dr. Eva Hoch (Charlotte-Fresenius-Hochschule); auf Vorschlag der CDU/CSU
  • Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl (Medizinische Hochschule Hannover); auf Vorschlag von CDU/CSU und Grünen

Die ACM ist dabei. Das ist die Organisation, die seit 1997 für Cannabispatienten eintritt. Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl war bis vor kurzem ACM-Vorsitzende und ist eine der renommiertesten Stimmen in der Cannabismedizin.


 

5) Wie es weitergeht

Nach der Anhörung berät der Ausschuss weiter. Dort werden Änderungsanträge diskutiert. Die zweite und dritte Lesung im Bundestag sind für Frühjahr 2026 vorgesehen; voraussichtlich Februar oder März. Danach geht das Gesetz erneut in den Bundesrat.

Wenn alles planmäßig läuft, könnte das Gesetz im Frühjahr 2026 in Kraft treten. Aber „planmäßig“ ist bei diesem Thema relativ.


 

6) Was Du jetzt tun kannst

Erstens: Du kannst die Anhörung am 14. Januar besuchen. Die Anmeldung läuft über die Website des Bundestags; Frist ist der 12. Januar.

Zweitens: Du kannst Deinen Abgeordneten schreiben. Unsere Aktionsseite aktion.medcanonestop.com hilft Dir dabei: der Generator erstellt eine personalisierte E-Mail an Deine Bundestagsabgeordneten.

Drittens: Du kannst Deine Versorgung dokumentieren. Halte fest, warum Du auf Telemedizin oder Versand angewiesen bist. Diese Informationen sind wertvoll, wenn es darum geht, echte Patientenrealitäten in die Debatte zu bringen.

Ausblick

Das Jahr 2025 endet mit einem offenen Verfahren. Die erste Lesung ist durch, aber nichts ist entschieden. Die Koalition verhandelt noch. Die Anhörung im Januar wird zeigen, welche Argumente Gewicht haben.

Wir begleiten den Prozess weiter; am 14. Januar auch vor Ort. Sobald es Neuigkeiten aus der Anhörung gibt, erfährst Du es hier.

Komm gut ins neue Jahr.

Weitere Informationen:

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